Metropolregion

Heißester Tag des Jahres im Südwesten erwartet

Archivartikel

Rhein-Neckar.Mit fast 40 Grad könnte es heute so heiß werden wie noch nie in diesem Jahr. Selbst in der Nacht soll es in den Städten nicht kühler als 20 Grad werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am dritten Tag in Folge eine Hitze-Warnung ausgegeben. "Regional wird das sicherlich der heißeste Tag des Jahres", sagte eine DWD-Meteorologin am Morgen. "In der Mitte und im Osten Deutschlands können es sogar bis zu 39 Grad werden." Damit wäre dieser 31. Juli der heißeste Tag 2018.

Bisher lag der Rekord laut DWD bei 38,0 Grad, aufgestellt am 26. Juli in Duisburg-Baerl. Das aktuelle Supersommer-Tief trägt passenderweise den Namen „Juli“. Es bringt zum Monatsende von Süd- und Südwesteuropa heiße subtropische Luft nach Mitteleuropa. Am Mittwoch werde es zwar etwas kühler, aber auch schwül. Die feuchten Luftmassen sorgen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vor allem am Abend für Gewitter. Zum Ende der Woche werde es wieder heiß.

So verbringen Mannheimer den heißesten Tag des Jahres

Die Kinder des evangelischen Kindergarten im Mannheimer Stadtteil Rheinau-Süd gehen in diesen Tagen bereits in den Morgenstunden ins Freie und zur Mittagszeit in die abgedunkelten Räume. Aus hygienischen Gründen verzichtet der Kindergarten darauf, Planschbecken o.ä. mit ruhenden Gewässern aufzustellen. Stattdessen gibt es die Möglichkeiten, mit Gartenschläuchen oder Spritzblumen zu spielen. Ab elf Uhr herrscht ein generelles Sportverbot, was insbesondere fußallspielende Jungs betrifft. "Das tut mir selbst weh, ist aber nötig, um gesundheitlichen Gefahren vorzubeugen", erzählte Britta Leiser, Leiterin des Kindergartens.

Über dem Sandkasten ist eine riesige grüne Plane gespannt, die Schatten bietet. Die Kinder haben eigene Kopfbedeckungen und Sonnencremes im Kindergarten, die Erzieherinnen kümmern sich v.a. darum, dass genug getrunken wird. "Die Kinder nehmen die Hitze anders wahr als Erwachsene und merken nicht, wenn sie innerlich austrocknen."

Zu den Leidtragenden der hohen Temperaturen gehören auch die Menschen, die die Tage im Krankenhaus verbringen müssen. Bei körperlich schwerer Arbeit. Oder sowieso schon gesundheitlich angeschlagen.

Das Pflegepersonal bekäme für seine Arbeit Ventilatoren, Getränke und kühle Tücher zur Erfrischung zur Verfügung gestellt, berichtet Christian Klehr von der Pressestelle des Theresienkrankenhauses auf Anfrage. „Auch die Patienten bekommen auf Wunsch einen Ventilator ins Zimmer gestellt.“ Zudem würden kühle Waschungen angeboten. Und selbstverständlich hat auch im Krankenhaus das Trinken Priorität. „Der zusätzliche Ausgleich an Flüssigkeit wird entweder durch mehr Getränke oder zusätzliche Infusionen gewährleistet.“

Dass wegen der anhaltend hohen Temperaturen wesentlich mehr Patienten in das Krankenhaus müssen, kann Klehr allerdings nicht bestätigen. „Die Mitarbeiter in der Zentralen Notaufnahme beobachten keine zunahme hitzebedingter Fälle im Vergleich zu einem normalen Sommer.“ Knapp einhundert Patienten behandelt die Notaufnahme nach eigenen Angaben täglich. Davon seien nur drei bis fünf Fälle mit Dehydration oder Kreislaufversagen direkt auf die Hitze zurückführen. Allerdings „wirkt sich die Hitze auf den Allgemeinzustand aller Patienten aus“.

Brand im Käfertaler Wald

Eine Fläche von etwa einem Hektar brannte am Nachmittag im Käfertaler Wald im Bereich des Schützenhauses. Nach Angaben der Feuerwehr brachten die Einsatzkräfte den Brand gegen 16.15 Uhr unter Kontrolle. Gegen 16.45 Uhr war das Feuer komplett gelöscht und wurde mit einer Wärmebildkamera kontrolliert.

Weinlese beginnt so früh wie nie zuvor – Bauern klagen über Dürre

Sonne und anhaltende Wärme wie im Süden treibt die Winzer früher als je zuvor zur Lese in die Weinberge. Aus dem ersten Traubenmost wird Federweißer. Der frühe Start hilft den Winzern in Rheinhessen und der Pfalz im internationalen Wettbewerb.

Die wochenlange Dürre macht hingegen den Landwirten in der Region zu schaffen. Auch die hiesigen Bauern rechnen mit Ernteeinbußen. Insbesondere die Anbauflächen ohne Beregnungsanlagen seien betroffen.

Hohe Waldbrandgefahr im Südwesten

Die Sommerhitze sorgt im Südwesten für eine hohe Waldbrandgefahr. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes wies am Dienstagmorgen für viele Gebiete in Baden-Württemberg die höchste Gefahrenstufe 5 aus. Das liege neben den hohen Temperaturen der letzten Tage vor allem an der niederen Luftfeuchtigkeit und der starken Sonneneinstrahlung, sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes.

Hitze setzt Kraftwerken zu - Einzelne Anlagen reduzieren Leistung

Deutschlands Flüsse sind wegen der Hitzewelle ohnehin aufgeheizt, doch das Kühlwasser von Kraftwerken erwärmt sie zusätzlich. Nun reduzieren manche Kraftwerke ihre Leistung. Beim Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg wurde die Leistung um bis zu 10 Prozent verringert, wie der Versorger EnBW mitteilte. Dadurch solle der Anstieg der Wassertemperatur im Rhein durch das eingeleitete Kühlwasser begrenzt werden.

Im Mannheimer Großkraftwerk (GKM) gibt es noch keine kühlwasserbedingte Lasteinschränkung. Gegen Ende der Woche könnte jedoch nach Angaben eines Sprechers die Ausnahmeregelung des Regierungspräsidium greifen - ab einer Rheinwassertemperatur nach dem GKM von 28 Grad - mit der dann nur noch mit Block 9 (hochmoderne Nasszellenkühler kühlen das Kühlwasser vor der Wiedereinleitung in den Rhein ab) Strom erzeugt werden dürfe. Aktuell seien im GKM Block 9 und Block 7 mit voller Leistung in Betrieb. 

Insgesamt haben die hohen Temperaturen und die sinkenden Wasserstände der Flüsse die Stromversorgung in Deutschland bislang aber nur wenig beeinträchtigt. "Es ist alles im grünen Bereich", sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur auf Anfrage.

Sinkende Wasserstände in Baden-Württembergs Flüssen

Der Rhein bei Karlsruhe (Pegel Maxau) stand am Montagmorgen nach Angaben der Hochwasservorhersagezentrale bei 3,77 Metern und führte 638 Kubikmeter Wasser je Sekunde. Ein deutlich niedrigerer Pegelstand von 3,20 Metern war jedoch am 22. September 2003 erreicht worden (420 m3/s). Für die Schifffahrt bedeutet das Niedrigwasser bereits erhebliche Einschränkungen.

Landesweit liege aber noch keine ungewöhnliche Niedrigwassersituation vor, hieß es im Lagebericht. Für die nächsten Tage erwarten die Experten wegen fehlender Niederschläge weiter sinkende Wasserstände.

DLRG rechnet mit mehr Badetoten

Das erfrischende Bad im See oder im Fluss kann schnell zur tödlichen Gefahr werden. Die Lebensretter warnen leichtsinnige Schwimmer. Erst am Dienstag meldete die Polizei eine tote Schwimmerin in einem Baggersee bei Leimerheim. Laut DLRG-Sprecher Vogt zeigt die Beobachtung, dass besonders in heißen Sommern die Zahl der Badetoten vergleichsweise hoch ist. Bei anhaltender Hitze suchten die Menschen überall Abkühlung, auch in unbewachten Gewässern

Kaum Mücken – dank Hitze

Doch das Hochsommerwetter hat auch Positives: Wegen der anhaltenden Trockenheit sind nach Einschätzung von Fachleuten in diesem Jahr deutlich weniger Stechmücken unterwegs. Die Brutstätten am Oberrhein seien nach dem höchsten Wasserstand Mitte Juni mittlerweile knochentrocken, hieß es nach Angaben der der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs).

Burgfest Lindenfels: Feuerwerk am Samstag fällt wegen Brandgefahr aus

Wegen der anhaltenden Waldbrandgefahr wird das Feuerwerk zum Lindenfelser Burgfest, das für Samstagabend (4. August) geplant war, ausfallen. Darauf hat sich der Vorstand des Verkehrsvereins mit der Feuerwehr und dem städtischen Ordungsamt verständigt.

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