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Justiz Landgericht Landau bestätigt Mörlheimer Raubmord-Urteil / Menschenverachtende Tat lässt Milderung nicht zu

„Hilfloses Opfer hingeschlachtet“

Archivartikel

Landau.Wütende Worte donnern wie ein Gewitter durch den Gerichtssaal. Der Angeklagte Viktor L. reißt entsetzt die Hände in die Luft und überzieht die Dritte Strafkammer des Landauer Schwurgerichts mit Schimpftiraden, als die Richter im Revisionsprozess um den brutalen Raubmord von Mörlheim das Urteil der ersten Instanz gegen die beiden 27 und 31 Jahre alten Angeklagten bestätigen. Die Erste Strafkammer hatte es im ersten Prozess als erwiesen angesehen, dass das Duo und ein Komplize eine allein lebende 86-Jährige nachts in ihrem Haus am Ortsrand überfallen, misshandelt, ausgeraubt und die sterbende Frau sich selbst überlassen haben.

Allerdings hatte der Bundesgerichtshof (BGH) die Urteile teilweise aufgehoben und das Verfahren nach Landau zurückverwiesen. Während der Schuldspruch wegen Mordes unstrittig war, wollten die Karlsruher Richter überprüfen lassen, ob Viktor L. aufgrund seines Geständnisses von der Kronzeugenregelung hätte profitieren müssen. Sie ermöglicht eine Milderung der lebenslangen Haft auf zehn Jahre. Auch die besondere Schwere der Schuld, die eine Entlassung nach 15 Jahren ausschließt, stellte der BGH ins Ermessen der Dritten Strafkammer.

Taktisches Geständnis

Für den Vorsitzenden Richter Helmut Kuhs lässt die „menschenverachtende Tat“ indes keine Strafmilderung zu. Zwar habe Viktor L. mit seinem Geständnis dazu beigetragen, dass der neben ihm sitzende Silvester Z. sowie sein ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilter Komplize Lucian D. festgenommen werden konnten. Doch seine Aussage sei nicht von Reue, sondern von Taktik getrieben gewesen. Als Chef einer rumänischen Bettel-Bande, die ihren Lebensunterhalt mit Stehlen, Hausieren und Trickbetrügereien bestritt und von Mannheim aus operierte, hätte L. die alte Dame gezielt als leichtes Opfer ins Spiel gebracht.

So kannte der 27-Jährige das Anwesen der Seniorin von Betteltouren durch die Südpfalz. Er habe auch gewusst, dass die alte Dame niemals nachts südosteuropäisch aussehende Männer in ihr Haus lassen würde. Deshalb habe er seine Kinder als Türöffner vorgeschickt und vor dem Haus ein „herzerweichendes Schauspiel“ inszeniert. „Ohne diesen raffinierten Plan wären die anderen nie ins Haus und ohne Ihr Auto nicht einmal nach Mörlheim gekommen“, betont Kuhs. Verächtlich schnaubend macht L. seinem Unmut Luft, was Justizbeamte und Polizisten veranlasst, sich im Halbkreis um die Anklagebank zu formieren und Verstärkung in den Saal zu beordern.

Im Haus hätten die Männer die hilflose alte Frau „in menschenverachtender Weise hingeschlachtet“. So stellte die Rechtsmedizinerin 30 Verletzungen fest – darunter Rippenserienbrüche, eine Lungenquetschung und eine Hirnschwellung. Zudem hatte Viktor L. die 86-Jährige zweimal dermaßen ins Gesicht getreten, dass sich der Abdruck seiner Schuhsohle auf der Wange abzeichnete. Während die drei Männer ihr Opfer malträtierten, hätten die Kinder im Wohnzimmer ferngesehen, Schokolade gegessen und mit einem Teddybären gespielt. Gegen drei Uhr morgens sei die Bande nach Mannheim zurückgefahren. „Gestorben ist die alte Dame zwischen fünf und 14 Uhr“, hält Kuhs fest. „Das war kein einfacher, schneller Mord.“ Diese Gesamtumstände ließen eine Strafmilderung auch für einen Kronzeugen nicht zu.

„Ich will das nicht hören“, schreit Viktor L. aufgebracht, während Silvester Z. in sich zusammensinkt und aussieht, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen. Für den 31-Jährigen stand nur die Möglichkeit im Raum, durch den Wegfall der besonderen Schwere der Schuld nach 15 Jahren freizukommen und in seine Heimat zurückzukehren.

Familie des Opfers angepöbelt

„Ihre Reue kam hier einigermaßen authentisch rüber“, gesteht der Vorsitzende Silvester Z. zu, der „kein Macher, sondern ein Mitläufer“ sei. „Aber auch Sie haben den sieben Kindern ihres Opfers nicht gesagt, was sich in dieser Nacht alles zugetragen hat. Das wäre sehr wichtig gewesen, um den gewaltsamen Tod der Mutter zu verarbeiten.“

Während Z. nur zweimal kurz die Fassung verliert, fährt L. seine trotzige Linie unbeirrt weiter. Der 27-Jährige zerknüllt die Rechtsbehelfsbelehrung und pöbelt die Familie des Opfers an. Dann ruft er seinem Sohn ein zärtliches „Passt auf euch auf!“ zu. Das Kind hat wie L.’s Mutter den kompletten Prozess verfolgt. Als sein Vater in Handschellen abgeführt wird, donnert die ärgerliche Stimme des etwa Neunjährigen los. Begleitet von Drohgebärden, mit der der Bub die Familie des Opfers überschüttet.

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