Metropolregion

Rheinland-Pfalz-Tag Mit dem Festumzug gehen die dreitägigen Feiern zu Ende / Oberbürgermeister Kissel: „Maßstäbe gesetzt“

Im Drachenwagen durch Worms

Archivartikel

Worms.Pünktlich um 12.30 Uhr erklingen Trommelschläge im Wormser Westen. Der Fanfarenzug „Schlossgarde Alzey 1983“ führt am Sonntag den Festumzug zum Abschluss des Rheinland-Pfalz-Tages an. Hatten unter der Woche noch Unwetter in weiten Teilen des Bundeslandes zugeschlagen, kann die Sonne nun offenbar gar nicht genug kriegen. Unzählige Besuchergruppen säumen die Straßen, die meisten von ihnen haben sich ein möglichst kühles Plätzchen im Schatten von Bäumen oder Gebäuden gesucht. Immer wieder feuern sie die Zugteilnehmer mit den ortstypischen „Ahoi“-Rufen an.

Der Festumzug bildet Abschluss und Höhepunkt des 34. Rheinland-Pfalz-Tages. 73 Zugnummern mit insgesamt etwa 2000 Teilnehmern ziehen vorbei an Marktplatz und Dom – und präsentieren die ganze Vielfalt des Bundeslandes. Gruppen aus allen Kreisen und kreisfreien Städten sowie von Verbänden sind vertreten: Wormser Ministranten schwenken ein riesiges Weihrauchfass, die Drachentanzgruppe der Fujian-Gesellschaft schlängelt einen chinesischen Drachen durch die Straßen.

Bei strahlendem Sonnenschein sei der Zug eine anstrengende Angelegenheit, erklärt Jens Rohloff vom Alzeyer Fanfarenzug. „Wir haben zum Glück unsere eigenen Getränke dabei.“ Die Mitglieder der Wormser Prinzengarde wiederum tragen eigentlich Dreispitz und Perücke – darauf habe man aber verzichtet, erklärt der Vorsitzende Wolfgang Meisel. Für seinen Verein bietet der Umzug nicht nur die Gelegenheit, sich außerhalb der Karnevalszeit zu präsentieren. „Das ist etwas ganz Besonderes, wenn das Fest in der eigenen Stadt stattfindet“, sagt Meisel.

Worms präsentiert sich besonders opulent: zum Beispiel mit der Nachbildung des Doms und mit einem Wagen in Drachenform. „Rheinland-Pfalz!“, rufen die historisch gekleideten Teilnehmer vom Wagen aus unablässig in die Menge.

Auf der Ehrentribüne in der Nähe des Marktplatzes verfolgen die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), mehrere Landesminister sowie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) den Zug.

Schaffell für die Landesmutter

Für Gelächter sorgen die Mitglieder der Schäfer-Gesangsgruppe Eifel-Hunsrück-Mosel: Sie überreichen der Landesmutter ein Schaffell. Angesichts der sommerlichen Temperaturen wird es an diesem Tag wohl kaum zum Einsatz kommen.

Zuschauer auf der Ehrentribüne und entlang der Straßen lassen sich von der Hitze allerdings nicht ermatten. Unablässig wird geklatscht, geschunkelt und gesungen. Gerade recht kommt vielen der Festwagen aus Bad Kreuznach: Der zieht eine kleine Saline hinter sich her, an der unablässig Wasser herab plätschert. Da freut sich sogar die Ministerpräsidentin, als der Wagenbegleiter ihr eine Hand voll Wasser zuschleudert.

Einen zufriedenen Eindruck macht auch der Gastgeber: „Ich denke, dass wir neue Maßstäbe gesetzt haben“, sagt der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD): „Was das Besucheraufkommen angeht, aber auch das Angebot.“ Die Stadt habe die größte Fußgängerzone geschaffen, die es bei einem Rheinland-Pfalz-Tag je gegeben habe. Mit etwa 300 000 Besuchern an den drei Tagen hatten Land und Stadt im Vorfeld gerechnet. „Ich denke, dass wir uns eher in Richtung 400 000 bewegen“, sagte Kissel. Gestern Abend ging Dreyer von 320 000 aus. Sie machte Worms ein „Riesenkompliment“: „Es hat viel, viel Freude und Spaß gemacht.“

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Dom und einem Empfang der Ministerpräsidentin hatte der zweite Festtag begonnen. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Ulrike Scherf, sprachen über Wagemut und Aufgeschlossenheit. „Wagemutig sein heißt, auf Gott setzen“, sagte Kohlgraf. Christen sollten sich nicht verschließen, sondern auf andere zugehen und Menschen aufsuchen, die Hilfe brauchen.