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Landgericht Frankenthal 69-Jähriger aus Neuhofen soll Ehefrau ermordet haben / 66-Jährige wollte sich endgültig vom Angeklagten trennen

Jugendliebe endet mit zwei Schüssen in den Kopf

Archivartikel

Frankenthal/Neuhofen.Der hagere Mann kauert zwischen seinen beiden Verteidigern auf der Anklagebank. Das viel zu weite graue Sakko wirft vor allem um die Arme tiefe Falten. An der Hand steckt ein goldener Ehering. Zitternde Lippen. Blinzelnde Augen. Sichtlich aufgewühlt verfolgt der 69-Jährige die Vorwürfe, die Staatsanwalt Kai Ankenbrand bei der Anklageverlesung gegen ihn erhebt. Seit Dienstag muss sich der Senior aus Neuhofen vor dem Schwurgericht des Frankenthaler Landgerichts verantworten. Wegen des Mordes an seiner Ehefrau. Er soll sie in seinem Haus in der Rhein-Pfalz-Kreis-Gemeinde erschossen haben.

In der Anklage wirft Ankenbrand dem 69-Jährigen vor, ohne Erlaubnis in seiner Garage drei halb automatische Pistolen, große Mengen Munition und einen Schlagring aufbewahrt zu haben. „Er besaß dafür weder Besitzkarte noch Waffenschein“, sagt der Staatsanwalt. Am 6. März dieses Jahres habe der Angeklagte dann zwei der Waffen in das Haus geräumt. „Er wollte seine Frau und sich erschießen, falls sie nicht zu ihm zurückkehren möchte“, so Ankenbrand. Denn bereits zum Jahresende 2018 habe sich die 66-Jährige von ihrem Mann getrennt und sei ausgezogen. Am Tatabend habe der 69-Jährige auf die Versöhnung gehofft.

Opfer arg- und wehrlos

Stattdessen aber habe die Frau die Trennung endgültig gemacht. „Sie sagte, sie wird nicht zurückkehren“, verliest Ankenbrand. Erniedrigt und gekränkt habe der Angeklagte gegen 21 Uhr zwei Mal abgedrückt. Um Macht über das Opfer auszuüben und zu verhindern, dass es eine neue Beziehung eingeht, wie es der Staatsanwalt darstellt. Die Frau habe den Angriff nicht kommen sehen, der 69-Jährige ihre Arg- und Wehrlosigkeit ausgenutzt. Die 66-Jährige sei an einem Kopfdurchschuss gestorben. Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt, womit zwei Mordmerkmale erfüllt seien.

Anders sehen das die Verteidiger des 69-Jährigen. „Wir haben starke Zweifel daran, dass die unserem Mandanten zulasten gelegte Tötung als Mord qualifiziert werden kann“, erklärt Rechtsanwalt Volker Haas nach der Verhandlung, die sich am ersten Prozesstag auf die Verlesung der Anklage beschränkte. Kollegin Katja Kosian deutet an, dass sie eher von Totschlag als von Mord ausgeht. Ihrer Ansicht nach müsse in dem Verfahren vor allem die schwierige Täter-Opfer-Beziehung beleuchtet werden, die maßgeblich für die Tat gewesen sei. „Die beiden waren seit 51 Jahren in einer Beziehung. Sie haben sich bereits als Jugendliche kennengelernt“, berichtet Kosian. Belastet worden sei das Verhältnis durch den Tod des einzigen gemeinsamen Kindes. Im Jahr 1983 sei der 13-jährige Sohn bei einem Unfall ums Leben gekommen. In den vergangenen Jahren habe es einige Beziehungspausen gegeben, was den Angeklagten mitgenommen habe. Die Geschehnisse vom 6. März würden ihren Mandanten sehr belasten. „Er leidet darunter, was er getan hat. Er vermisst seine Frau.“

Zur Sache äußert sich der Mann aus Neuhofen am ersten Verhandlungstag nicht. Für den nächsten Termin am 11. September sei eine Einlassung vorgesehen, berichten die Anwälte. Im Ermittlungsverfahren hatte der Angeklagte jedenfalls behauptet, im Affekt gehandelt zu haben. Was der 69-Jährige zu sagen hat, wird auch die Schwester der Getöteten interessieren. Sie tritt im Prozess als Nebenklägerin auf.

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