Metropolregion

Freizeit Verschiedene Feste und Märkte um die Edelkastanie laden ein

„Keschde“-Saison in der Pfalz

Archivartikel

Edenkoben.„Die Kastanie ist des südlichen Klimas bester Zeuge“– so beschrieb der bayerische König Ludwig I. die Edelkastanie, die er wohl mehr liebte als alle anderen Baumarten in der Pfalz. Einer Notiz im geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher zufolge ließ der König zwischen 1847 und 1862 rund um seine Sommerresidenz, die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben, 24 396 Kastanienbäume „zur Erhaltung des dortigen Baumbestandes“ pflanzen. Der Kastanienwald um die Villa existiert noch heute und ist alljährlich Schauplatz eines „Kastanienfestes“.

Bis 15. November dreht sich in der Südpfalz alles um die „Keschde“. Spezielle Märkte gibt es in Annweiler an diesem Wochenende, Edenkoben/Villa Ludwigshöhe (13./14. Oktober) und Hauenstein (21. Oktober). Geführte Wanderungen sind heute und am 10. Oktober jeweils ab 10 Uhr (Treffpunkt Wanderparkplatz Kurpark Bad Bergzabern) und am 8. Oktober, 14 Uhr, in Leinsweiler (Treffpunkt Slevogthof) geplant. Die Broschüre „Alles Leckere mit Keschde in der Südpfalz“ kann bei allen Touristinformationen der Region angefordert werden.

Der bayerische Monarch hätte sich vor rund 150 Jahren nicht träumen lassen, dass seine Bäume dermaleinst „geadelt“ werden würden: Die Edelkastanie (Castanea sativa), die nirgendwo in Mitteleuropa so stark verbreitet ist wie in der Pfalz, ist zum „Baum des Jahres 2018“ gekürt worden. Dabei gehört diese Unterart der Buche zu den eher seltenen deutschen Bäumen. Mit der ungenießbaren Rosskastanie hat sie allerdings nichts zu tun.

Wenn die Edelkastanie im Mai und Juni blüht, verwandelt sie die Hänge im Pfälzerwld entlang der Deutschen Weinstraße und den 60 Kilometer langen „Pälzer Keschdeweg“ zwischen Hauenstein und Edenkoben in ein duftendes Blütenmeer . Jetzt im Herbst sorgt sie dafür, dass die Anrainer am Abend ihren neuen Wein mit gerösteten oder gekochten Kastanien genießen können. Einst waren die nussigen Früchte, die zu Millionen den Waldboden bedecken, das „Brot des Waldes“ für die Armen, die aus den glänzenden, rotbraunen Früchten allerlei Arten der Zubereitung wussten.

Likör oder Konfitüre

Heute kommen Esskastanien nicht nur geröstet oder gekocht auf den Tisch, sondern auch als Likör und Konfitüre, Nudeln und Püree, Honig oder Mehl. In vielen Orten kann man im Herbst einen kulinarischen Spaziergang durch die Speisekarten unternehmen.

Die Edelkastanie kann sich auch zu einer Art „Naturwunder“ auswachsen. So steht in Dannenfels am Donnersberg ein Exemplar, dessen Alter von den einen auf rund 400, von anderen sogar auf 700 Jahre geschätzt wird. Der Stammumfang beträgt etwa neun Meter.