Metropolregion

Natur Mykologe findet bei einer Wanderung den „geschlitzporigen Saftporling“, der zum ersten Mal in Rheinland-Pfalz entdeckt wurde

Klimawandel beschert Pfalz neue Pilzart

Archivartikel

Johanniskreuz.Dichte Reihen von Röhrchen zeichnen ein Muster in das dicke weiße Etwas, das an einem toten Fichtenstamm wächst. Der ungewöhnliche Fund hat den Pilzexperten Wolfgang Peltz zu fast kriminalistischer Kleinarbeit veranlasst. Dem Fachmann war sofort klar, dass er auf seiner Wanderung vom Holländerklotz zur Weißenberghütte auf ein äußert seltenes Exemplar gestoßen war.

Weißer Fruchtkörper

„Der Pilz ist ganz in der Nähe des Luitpoldturms an der Längsseite eines entrindeten feuchten Fichtenstamms gewachsen. Sein weißer Fruchtkörper hat einen welligen Rand und eine haarige Huthaut“, berichtet der Mykologe. Die weiten Öffnungen des Pilzes erinnerten an schräg angespitzte Federkiele. „Namentlich konnte ich das Exemplar an diesem Tag noch nicht zuordnen, ich habe diesen Pilz schließlich auch zum ersten Mal zu Gesicht bekommen“, so Peltz. Deshalb habe er Fotos gemacht und erste Bestimmungsversuche im Kartierungssystem der Deutschen Gesellschaft für Mykologie unternommen. Dabei sei klargeworden, dass diese Art in Rheinland-Pfalz noch nicht gemeldet worden ist. Es habe nur vereinzelte Fundstellen im Bayerischen Wald, Baden-Württemberg und Thüringen gegeben. So fuhr Peltz wieder zu der Stelle im Wald und erntete den Pilz, um ihn zu Hause unter dem Mikroskop zu untersuchen und die Daten mit der einschlägigen Fachliteratur zu vergleichen. „Das führte mich schließlich zu der wissenschaftlichen Bezeichnung ,Postia undosa’. Als deutscher Name sind ,weitlöcheriger Saftporling’ und ,geschlitzporiger Saftporling’ gebräuchlich.“

Um seine Ergebnisse abzusichern, hat der Pfälzer den Fruchtkörper seines Spezialfundes getrocknet und nach Mannheim zu einer Spezialistin für Holzpilze geschickt. „Da sie meine Bestimmung bestätigt hat, konnte ich den Fund bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie melden“, so Peltz. Der Pilz sei sehr selten und wachse an sonnigen Stellen auf verrottetem Nadelholz.

Sein Auftauchen hat einer Studie der Universität Exeter zufolge auch mit der globalen Erwärmung und ihren Auswirkungen auf das Klima zu tun. Das führe dazu, dass zahlreiche Pilzarten aus südlicheren Regionen nach Norden wandern und sich dort allmählich verbreiten.

Sieben Kilometer pro Jahr

So geht die Studie davon aus, dass sich die Nordgrenze für einzelne Pilzarten um bis zu sieben Kilometer pro Jahr verschiebt. „Daher ist es wohl kein Zufall, dass die gefundene Pilzart auch im Pfälzerwald heimisch zu werden scheint“, findet Wolfgang Peltz.

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