Metropolregion

Umwelt Nach jahrzehntelangem Streit um den Abriss der L 600 schaffen Umweltschützer der Natur bei Sandhausen neue Freiräume

Kreiselwespe mag es licht und luftig

Archivartikel

Sandhausen.Mehr als ein Vierteljahrhundert haben Naturschützer und Straßenbauer um die L 600 gestritten. Wegen der neuen B 535 hätte die Landesstraße zurückgebaut werden sollen - so lautete der Beschluss aus dem Jahr 1989. Im vergangenen Jahr gab's die Einigung: Die L 600 bleibt bestehen. Dafür kommt die Natur an anderer Stelle zu ihrem Recht. Bei Sandhausen und Schwetzingen entwickeln Fachleute einen lichten Kiefernwald und Sand-rasen. Ein Ortstermin zeigt, wie weit das Projekt gediehen ist.

Das Ausgleichskonzept für die L 600 besteht aus vier Modulen und soll dabei helfen, dass sich in den beiden Naturschutzgebieten Hirschacker und Dossenwald sowie an der Sandhausener Düne verschiedene Tier- und Pflanzenarten ansiedeln.

Die ersten Schritte sind getan. Im letzten Winter wurden zunächst Bäume gefällt, denn die Kreiselwespe mag es luftig. "Jetzt haben wir auch die Baumwurzeln entnommen, damit der Sandrasen weiter ausgebaut werden konnte", erklärt Jost Armbruster vom Regierungspräsidium. So könne dort alles einwandern, was fliegt und krabbelt.

Der nächste Schritt ist dann die Beweidung von Teilabschnitten. "Das schafft offene Stellen - und zwar genauso, wie es gewünscht ist", erläutert der Diplom-Biologe. Denn Schafe oder Esel sollen sich um die Pflanzen herumfressen, die sich nach Plan an den Dünen ansiedeln. Die restlichen Stellen machen die Tiere dann frei für die vielen Insektenarten. Die Tiere werden von der Stiftung Naturschutz gepflegt. Diese hatte bereits im vergangenen April eine Ziegenherde nach Oftersheim gebracht. Die meckernden Vierbeiner sollen die wild wuchernden Brombeeren wegfressen.

Lob aus Bevölkerung

"Das ist bisher wirklich eine erfolgreiche Umsetzung der Maßnahmen", sagt Armbruster. Auch aus der Bevölkerung gebe es keine kritischen Stimmen. "Am Wegrand der Sandhausener Dünen sind überall Informationstafeln aufgestellt", erklärt der Biologe. "Da findet man auch meine Telefonnummer." Hier könne man sich beschweren, Fragen stellen oder Anregungen geben. Beschwerden habe es aber bislang keine gegeben. "Die Naturschutzgebiete sind nicht nur für die Pflanzen und Insekten eine Bereicherung. Die Landschaft ist zum Spazieren wirklich attraktiv. Davon profitiert natürlich auch die Bevölkerung ", so Armbruster. Auch der Trimm-Dich-Pfad direkt an den Sandhausener Dünen locke zusätzliche Naturfreunde an.