Metropolregion

Kulturtreff und Kletterturm

Archivartikel

Eine enge Wendeltreppe führt zur obersten Plattform. Panoramafenster erlauben eine Rundumsicht in 50 Metern Höhe über den Hemshof bis nach Mannheim. Ein beliebter Ort für „Ufo-Sessions“ und andere Kulturveranstaltungen. Nach wechselvoller Geschichte wird der ehemalige Bunker in der Rollesstraße auch als Café und für Firmenfeiern genutzt. Bernd und Annika Albert haben dem achteckigen „KulTurm“ nach dem Kauf 2008 neues Leben eingehaucht.

„Wir mussten alle Sanitär- und Elektroleitungen erneuern und nahmen Zwischenwände heraus“, berichtet Albert. Hintergrund: In der Nachkriegszeit dienen Teile des Bunkers als billige Unterkunft für Arbeiter – vier Mark pro Nacht im „Turmhotel Bürgerbräu“. Die 7,5 Quadratmeter großen Zimmer sind mit Kochzeile und Dreierbetten ausgestattet. In zwei Stockwerken verändern die neuen Eigentümer aber nichts. An den Wänden hängen noch Tapeten mit Blumenmustern. 2008 geben die Technischen Werke einen Wassertank auf, den sie 1953 auf dem Bunkerdach errichtet haben. Damit wird die Panoramafläche frei.

Ansonsten werden die Ludwigshafener Bunker oft als Lager genutzt, bisweilen auch als Proberäume für Musikbands. Eine andere Verwendung findet der Spitzbunker an der Pasadenaallee. Der Alpenverein nutzt ihn seit 30 Jahren als Kletterturm. „Wir haben viele Griffe montiert, so dass Erwachsene und Kinder zweimal wöchentlich trainieren können“, sagt Vereinsvize Josef Rasinger. Den baulichen Zustand kontrollieren regelmäßig zwei Bunkerwarte des Vereins.

Um die Weltkriegsrelikte als wichtigen Teil der Ludwigshafener Geschichte zu erhalten, hat sich 2017 ein neuer Verein gegründet. Er möchte den Bunker in der Valentin-Bauer-Straße als museale Begegnungsstätte nutzen. Grund: „Im Inneren ist vieles noch so erhalten, wie es früher ausgesehen hat“, sagt Geschäftsführer Klaus-Jürgen Becker. Dies betrifft Türen, Luftfilter und Beschriftungen wie „Aufgang links“ oder „Entbindungsraum“. Wann dort ein Museum eingerichtet wird, ist offen. Zuvor müssen die Finanzierung und Fragen des Brandschutzes geklärt werden.

Mit Bedauern registriert der Verein, dass der „Würfelbunker“ wegen des Baus der Stadtstraße abgebrochen werden soll. Denn er hat eine Besonderheit. Die mechanische Sauerstoffanlage ist noch sehr gut erhalten.

Keine Einwände hat der Bunkerverein indes gegen eine ungewöhnliche Verwendung, die die BASF für den Bunker in der Karl-Müller-Straße plant. Er wird aufgestockt. Bis Mitte 2019 entsteht ein zweigeschossiger Büroneubau – speziell für die Designabteilung des Unternehmens.

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