Metropolregion

Spektakel Meckenheim feiert den ersten Glockenguss unter freiem Pfälzer Himmel / Aktion kostet das schuldenfreie Dorf etwa 20 000 Euro

Kupfer-Zinn-Mischung fließt mit 1100 Grad in Form

Meckenheim.Atemlose Stille begleitete den Höhepunkt eines außergewöhnlichen Spektakels beim Guss einer Jubiläums-Bronzeglocke unter freiem Himmel für den Friedhof in Meckenheim. Als die Glockengießer der elsässischen Gießerei André Voegele die 1100 Grad Celsius heiße flüssige Masse aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn in die Glockenform schöpften, hielten mehr als 500 Meckenheimer als Zaungäste rund um den aufgeschütteten Erdhügel neben dem Rathaus den Atem an. Applaus brandete auf, als Firmenchef André Voegele verkündete: „Der Glockenguss ist gelungen.“

Doch auch dem erfahrenen Elsässer war in den Stunden zuvor immer wieder Spannung ins Gesicht geschrieben – dunkle Wolken am Horizont wirkten bedrohlich. „Wir hätten ein Problem bekommen, wenn es angefangen hätte zu regnen“, gab Voegele zu, „denn bei einem Glockenguss unter freiem Himmel müssen die Bedingungen stimmen.“ Regen hätte für physikalisches Chaos gesorgt, denn über dem künstlichen Hügel mit seinem lodernden Feuer, in dem die Glockenform vergraben war und die Kupfer-Zinn-Mischung auf 1100 Grad Celsius zu Bronze erhitzt wurde, hätten dann die Elemente miteinander gerungen.

So kam der gemeinsame Dankes-choral der rund 500 Meckenheimer, die wie im Fußballstadion gebannt auf einer kleinen Tribüne rund um den Ort des feurigen Geschehens saßen, von ganzem Herzen. Ebenso wirkten die Dankesworte der beiden Geistlichen Christian Mundt und Bernhard Braun, der mit dem aus Indien stammenden Kaplan Naigiu Pater aus Deidesheim herüber gekommen war. Bürgermeister Heiner Dopp sah indes alles recht unaufgeregt: „Wir haben unserer Bevölkerung heute etwas Ungewöhnliches geboten – wer nicht dabei war, hat etwas versäumt.“

Zum ersten Mal wurde in der Pfalz eine Bronzeglocke unter freiem Himmel gegossen. Genau 129 Kilogramm schwer ist der Guss mit dem Ton „e 2“, der gestern aus seinem Sandhügel ausgegraben wurde, nun in Strasbourg poliert wird und am 2. September in Meckenheim erneut im Blickpunkt stehen wird – beim Festumzug zum 1250-jährigen Bestehen des Winzerdorfes. Am 3. Oktober wird die Glocke geweiht und auf dem Meckenheimer Friedhof auf einem eigenen Gestell aufgehängt.

Damit die Zuschauer auch alles verstanden, dafür sorgte Birgit Müller. Die in Meckenheim wohnende einzige Glockensachverständige Deutschlands kommentierte den Glockenguss mit Sachkenntnis und Humor, während Bürgermeister Dopp den Hintergrund erläuterte: „Unser Dorf ist schuldenfrei – deshalb konnten wir für unser Jubiläum rund 50 000 Euro bereitstellen.“ Der Glockenguss kostet etwa 20 000 Euro – rund 3000 Euro spart das Dorf, weil Birgit Müller die 645 Buchstaben der Glockenzier unentgeltlich in die Form brachte.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/region

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