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L 597: Lückenschluss im Straßennetz der Region

Archivartikel

Neckar-Bergstraße.Seit Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann im März 2019 den ersten Spatenstich für den Neubau vorgenommen hat, sind an vielen Stellen entlang der Trasse Baustellen entstanden.  Der 3,3 Kilometer lange Abschnitt ist der dritte und letzte des Neubaus der L 597 zwischen Friedrichsfeld und Ladenburg. In den 1980er Jahren wurden die Abschnitte bis zur L 637 (Seckenheimer Hauptstraße) errichtet. Für den noch ausstehenden Abschnitt von der L 637 bis zur L 597 nördlich von Ladenburg hat das Land Baden-Württemberg Finanzmittel in Höhe von rund 35 Millionen Euro bereitgestellt.

Die neue Straße besteht aus neun Bauwerken, wobei die Neckarbrücke bei Ladenburg das Herzstück darstellt. Deren rund 15 Millionen Euro teurer Bau beginnt jedoch erst 2022. Der gesamte Streckenabschnitt soll nach Angaben des Landes Ende 2024 fertig sein und Anfang 2025 für den Verkehr freigegeben werden.


Die ersten Bauwerke stehen bereits,  Infotafeln weisen Passanten auf das Jahrhundertprojekt hin. Unweit des Industriegebiets Altwasser in Ladenburg steht eine mächtige Brücke  scheinbar mitten in der Landschaft. Später wird auf beiden Seiten die Trasse der Straße verlaufen. Die Jahreszahl 2019 ist in Fahrtrichtung rechts oben an der Unterführung in Beton gegossen. Darunter ist Platz für einen Wirtschaftsweg und das alte Industriegleis, das den ansässigen Unternehmen als Anschluss an die Bahnstrecke zwischen Mannheim/Heidelberg und Frankfurt diente.
Brücke über stillgelegtes Gleis

Schienen liegen hier nicht mehr, ein altes Andreaskreuz nahe der Brücke erinnert daran, dass es hier einst ein Gleis gab. „Es gibt aber nach wie vor ein Gleisrecht“, erläutert Michael Lumpp, Leitender Baudirektor und Leiter des Referats Straßenbau Nord beim Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe. Dieses müsse auch für die Zukunft gesichert werden. 
In der Flucht der neuen Brücke Richtung Neckar wird gerade eine Rampe aufgeschüttet. Am Ende soll er das Niveau der künftigen Straße erreichen. Oder besser gesagt ein paar Zentimeter mehr. Denn das Material wird sich in den kommenden Jahren setzen, die Aufschüttung also wieder an Höhe verlieren. Erst vor dem Bau der eigentlichen Fahrbahn wird der Damm aus Erde „geschält“, also so modelliert, dass er von Höhe und Breite passt.
Das Material, das hier verarbeitet wird, stammt vom Bau des Branichtunnels bei Schriesheim, also dem zweiten großen Straßenbauprojekt des Landes in der Region innerhalb von zwei Jahrzehnten. Entstanden ist es allerdings nicht beim Bohren des Tunnels, sondern bei den Erdarbeiten am Einschnitt der Tunnelportale. „Insgesamt werden hier rund 25 000 Kubikmeter eingebaut“, schätzt Nieder, etwas weniger als in Neckarhausen, auf der anderen Seite des Neckars. Denn wegen der eingangs beschriebenen zusätzlichen Brücke wird die Schüttung hier nur etwa 100 Meter lang. Der Erdaushub, der hier vor vielen Jahren bereits zwischengelagert wurde, wird fast komplett reichen, wie der Projektleiter kalkuliert.  Auf der anderen Seite des Ufers ist die Schüttung längst fertig. Ein Schild am Wegesrand klärt über das Projekt und den Sinn des Bauwerks auf. Dort, wo bis vor einigen Monaten noch Ackerland war, steht jetzt eine Rampe in der Landschaft.

Spannende Arbeiten stehen in Seckenheim bevor.  Das nach der neuen Neckarbrücke größte Bauwerk wird die Kreuzung mit Landesstraße L 637 und Straßenbahn (RNV Linie 5, früher OEG). Ursprünglich war geplant, Straße und Bahn wegen der Arbeiten ein Jahr lang zu sperren. Zum Glück gibt es aber inzwischen eine andere Variante: Die beiden Brückenbauwerke werden in der freien Landschaft hergestellt und anschließend an ihren eigentlichen Standort verschoben.
Wanne im Grundwasser
„Das wird sechs bis acht Wochen dauern und in den Sommerferien 2021 erfolgen“, kündigt Lumpp die „technisch interessante Lösung“ an. Ingenieurskunst ist schließlich auch gefragt, wenn die Fortsetzung der bereits vorhandenen L 597 noch tiefer gelegt wird, um sie unter Bahnlinie und L 637 hindurchzuführen. Weil hier das Grundwasser tangiert werden kann, muss die Trasse durch eine wasserdichte Wanne laufen. Trotz dieser abenteuerlich anmutenden Details ist Lumpp sicher, dass alles reibungslos klappt: „Wir sind voll im Zeitplan, und den Kostenrahmen halten wir ebenfalls ein.“
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