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Ladenburg

L 597: Lückenschluss nach mehr als 100 Jahren

Archivartikel

Bis 2024 soll sie stehen, spätestens im Jahr 2025 für den Verkehr freigegeben werden: Mit der neuen Neckarbrücke bei Ladenburg und der L 597 neu schließt das Land Baden-Württemberg eine Lücke im Straßennetz, die seit den 1970er Jahren besteht. Damals wurden bereits Teile der Straße im Mannheimer Stadtteil Friedrichsfeld gebaut.

Von der A 656 kommend, führt der Weg Richtung Norden noch immer durch die Ortschaften. Vor allem der Mannheimer Stadtteil Seckenheim und die Inselgemeinde Ilvesheim sind davon betroffen, leiden unter dem Durchgangsverkehr.

Besonders in den Morgen- und Abendstunden staut sich der Verkehr durch beide Orte. Mehr als 15 000 Kraftfahrzeuge in 24 Stunden wurden hier in Spitzenzeiten gezählt. „Die Verkehrsverhältnisse sind damit mehr als unzureichend. Sie stellen für die Anwohnerschaft eine hohe Belastung an Lärm und Abgasen dar“, stellt das Regierungspräsidium Karlsruhe dazu fest.

In Mannheim-Seckenheim und Ilvesheim war und ist der Ruf nach dem Neubau der Straße deshalb auch immer am lautesten. Diskutiert wird das Projekt indes schon seit mehr als 100 Jahren. Bereits 1913 gab es entsprechende Überlegungen, wie aus einem Schreiben des früheren Ladenburger Bürgermeisters Reinhold Schulz an den Karlsruher Regierungspräsidenten Trudpert Müller vom 8. März 1983 hervorgeht.

Dass schon Anfang des 20. Jahrhunderts über den Bau einer Neckarbrücke gesprochen wurde, hängt nach Angaben von Hans-Bernhard Barth vom Referat 44 (Straßenplanung) beim Regierungspräsidium Karlsruhe mit Planungen zum Neckar-Ausbau zusammen, die 1913/14 bereits weit fortgeschritten waren. Um den Neckar für Rheinschiffe befahrbar zu machen, wurde er von 1921 bis 1935 ausgebaut. Der Bau des Neckarkanals machte Ilvesheim zur Insel, und die sollte nicht im Verkehr untergehen.

1979 Planung beauftragt

In besagtem Brief des Ladenburger Bürgermeisters heißt es weiter, „dass nur durch diese Maßnahme die Verkehrsprobleme unseres Raumes wirksam gelöst werden können“. Im Mai 1979 hatte Staatssekretär Ludwig dem Schreiben zufolge im Verlauf eines Ortstermins dem Straßenbauamt Heidelberg den Auftrag zur Ausarbeitung eines Entwurfs zum Neubau der L 597 mit Neckarbrücke bei Ladenburg erteilt. Das Gesamtprojekt L 597 stand bereits 1959 im ersten Generalverkehrsplan des Landes Baden-Württemberg. Ihr erster Bauabschnitt wurde in den Jahren 1974 bis 1976 realisiert, und zwar im Mannheimer Stadtteil Friedrichsfeld. Zu verdanken war das der Bundesbahn, die auf ihren Hauptstrecken in einem beschleunigten Programm Bahnübergänge beseitigte. Der zweite Bauabschnitt folgte rund zehn Jahre später. Damals wurde die Anschlussstelle Seckenheim verlegt und die Straße zwischen Saarburger Ring und der heutigen L 637 ausgebaut. 1985 wurde dieser Teil für den Verkehr freigegeben. Wer heute von der Autobahn Richtung Seckenheim oder Neckarhausen fährt, bemerkt das Gefälle der Fahrbahn. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass sie später unter den RNV-Gleisen und der an dieser Stelle querenden

Landesstraße zwischen Edingen-Neckarhausen und Seckenheim hindurchgeführt wird.

Jahrelang haben Politiker immer wieder den Bau der Straße versprochen. Verzögert hat sich das Vorhaben unter anderem wegen der Forderung der Naturschutzbehörden nach einem Umweltbericht. Doch auch als dieser 1991 vorgelegt wurde, zog sich das Genehmigungsverfahren weiter hin.

Von Hamstern verzögert

Feldhamster, die man auf dem Gelände entlang der Trasse vermutete, machten abermals Änderungen notwendig. So entstanden 2015 beim Neubau des Radweges zwischen Edingen-Neckarhausen und Seckenheim mehrere Tunnel für die Nager, damit diese die Straße und die RNV-Gleise sicher unterqueren können. Dass der Neubau auch nach dem Planfeststellungsbeschluss im Jahr 2005 nicht vorankam, lag vor allem am Geld. Weil das Land 2008 mit dem Bau des 93 Millionen Euro teuren Branich-Tunnels bei Schriesheim begann, standen keine Mittel für ein zweites Millionen-Projekt in Nordbaden zur Verfügung.

Im Juni 2016 gab Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Umgehungsstraße der Weinstadt mit der Röhre im Berg für den Verkehr frei. Eineinhalb Jahre später verkündete der Politiker, was allen seinen CDU-Vorgängern bis dahin nicht gelungen war: Die Neckarbrücke bei Ladenburg und die neue L 597 können ab 2019 gebaut und voraussichtlich Ende 2024 für den Verkehr freigegeben werden.

Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht spricht angesichts des Projektes von einer „Nord-Süd-Tangentialverbindung der Mittelzentren Viernheim und Schwetzingen“, also über die Landesgrenze hinweg bis nach Südhessen. Wenn es wie geplant fertig wird, dann werden seit den ersten Überlegungen für das Projekt 111 Jahre vergangen sein.


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