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Justiz Sexualstraftäter filmte trotz Fußfessel Kinder in Schulumkleide – Staatsanwalt fordert Sicherungsverwahrung

Lebensende hinter Gittern?

Frankenthal.Der bullige Mann schüttelt nachdenklich den Kopf und beugt sich auf der Anklagebank ganz weit vor, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen: „Ich werde nächstes Jahr 60 Jahre alt, da ist Sicherungsverwahrung wie die Todesstrafe.“ Tatsächlich geht es für Artur K. in dem Prozess vor der Zweiten Großen Strafkammer des Frankenthaler Landgerichts um sehr viel – obwohl die angeklagten Taten das zunächst nicht vermuten lassen.

Der 59-jährige Mann aus Neustadt soll gegen Auflagen verstoßen haben, die ihm nach Verbüßung einer zweijährigen Haftstrafe auferlegt worden waren. So hatte er wegen Besitz von kinderpornografischen Fotos im Gefängnis gesessen und nach seiner Entlassung unter Führungsaufsicht gestanden: Artur K. musste sich einmal wöchentlich bei der Polizei in Ludwigshafen melden, Abstand von Kindern und Jugendlichen halten, durfte kein internetfähiges Handy besitzen und auch nicht im Internet surfen. Eine elektronische Fußfessel überwachte seinen Aufenthalt. An die Auflagen gehalten hat er sich nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nicht: 15 Straftaten listet die Anklage auf. Unter anderem wurden auf K.’s Mobiltelefon zwei Videos aus den Umkleideräumen eines Speyerer Gymnasiums gefunden, wo er Kinder vor dem Sportunterricht beim Umziehen gefilmt hatte. Zudem soll er einen Sicherheitsmitarbeiter des Speyerer Jobcenters mit einem Schirmständer geschlagen haben, weil dieser ihn nach einem verbalen Ausraster nicht mehr zu den Sachbearbeitern vorlassen wollte. 90 Tage nach seiner Haftentlassung war der Pfälzer wieder festgenommen worden.

Kriminelle Vorgeschichte

Für Staatsanwalt Kai Ankenbrand wiegt die Vorgeschichte des Angeklagten schwer. So habe der einschlägig vorbestrafte Mann in den 22 Jahren seit seiner ersten Verurteilung wegen der Vergewaltigung einer Zwölfjährigen 1998 bis heute nur fünf Jahre in Freiheit verbracht. Das Landauer Urteil von 1998 wird in der Verhandlung verlesen. Demnach hatte K. die zwölf Jahre alte Rollschuhläuferin in den Neustadter Weinbergen angesprochen, in seinen Wagen gezerrt, an eine einsame Stelle gefahren und vergewaltigt. Da K. kurz darauf mit seinem Bruder und zwei anderen Männern nach einem Fußball-Kneipenabend eine 15-Jährige in Neustadt ins Auto lockte, in den Pfälzerwald verschleppt und vergewaltigt hat, bildete das Landgericht damals eine Gesamtstrafe von mehr als sieben Jahren.

Insgesamt sind in Artur K.’s Bundeszentralregisterauszug 21 Einträge verzeichnet. Sie beginnen 1979 mit dem Missbrauch von Notrufen und reichen über Fahren ohne Fahrerlaubnis, Körperverletzung, schweren Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung, Beleidigung, Gewässerverunreinigung bis zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung und Verstoß gegen die Führungsaufsicht 2019.

„Der psychiatrische Gutachter beschreibt den Angeklagten als schwer dissozial und hat ihm einen Hang zu schweren Straftaten attestiert“, erläutert der Staatsanwalt, warum er eine Sicherungsverwahrung für angebracht hält. „Es hängt vom Zufall ab, ob etwas Schlimmeres passiert oder ob es beim Ansprechen bleibt.“ Einsicht könne er bei K. nicht erkennen. So habe dieser während der Verhandlung gesagt, dass er den Sicherheitsmitarbeiter des Jobcenters erschossen hätte, wenn er im Besitz einer Waffe gewesen wäre.

Intensität nimmt ab

Verteidigerin Gabriele Haas sieht das anders. „Eine Sicherungsverwahrung bedeutet für meinen Mandanten ein Lebensende im Knast. Nach den üblen Prozessen in Landau Ende der 90er Jahre hätte ich verstanden, dass man ihn aus dem Verkehr zieht. Aber ist es dieser Prozess, der auslöst, dass er jetzt weggesperrt wird?“ Eine Gemeingefährlichkeit sehe sie nicht. Vielmehr wiegen die angeklagten Delikte wie der Verstoß gegen Meldeauflagen oder das Filmen von Kindern in einer Schulumkleide weniger schwer als jene, wegen denen er einst verurteilt worden sei. Wie die Kammer dazu steht, wird sie am Montag verkünden.

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