Metropolregion

Justiz Gericht will Unterlagen zu Bremsassistent sichten

Lkw-Prozess erneut vertagt

Rhein-NEckar.Der Prozess um den tödlichen Lkw-Unfall auf der A 6 bei Mannheim-Sandhofen am 9. Juni 2017 ist gestern vor dem Amtsgericht Mannheim erneut vertagt worden. Die Kammer hat die Unterlagen noch nicht sichten können, die der Konzern Daimler-Benz als Hersteller des im Unfall-Lkw verbauten Bremsassistenten „Active Break Assist 3“ (ABA 3) per E-Mail zur Verfügung gestellt hat.

Sie habe fünf E-Mails der Herstellerfirma erhalten, berichtete Vorsitzende Richterin Gabriele Schöpf. Sie habe diese dem Sachverständigen des Prozesses gestern Morgen sogleich weitergeleitet. Aber die Daten seien zu umfangreich, als dass man sie ausführlich sichten und bewerten könne. „Es ist auch erkennbar: Die Dinge sind nicht dabei, die wir angefragt haben“, so Schöpf. Die Kammer will das Fehlerprotokoll aus dem im Lkw verbauten System einsehen.

Mit Tempo 85 ins Stauende

Die Richterin will in dem Verfahren klären, warum der Bremsassistent in dem Unfall-Lkw zwar gewarnt, aber vor dem Aufprall aufs Stauende nicht gebremst hat. Die Beweisaufnahme hat bisher ergeben, dass der Bremsassistent aktiv und nicht abgeschaltet war. Gebremst hat er aber nicht: Der Lkw war laut Anklageschrift mit einem Tempo von 85 Stundenkilometern auf die Fahrzeuge vor ihm aufgefahren. Daimler-Gutachter hatten es für plausibel erklärt, dass das System aus technischen Gründen nicht gebremst hat. Von einem „Systemfehler“ wollten sie nicht sprechen.

Der Prozess hat eine durchaus wegweisende Wirkung. Nach Schätzung von Experten fahren mehrere Zehntausend Lastwagen mit dem System an Bord auf den Straßen in ganz Europa herum. Der Prozess wird am 25. Januar fortgesetzt. bjz