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Wirtschaft Landauer Start-up-Unternehmen „Effit“ bringt neue Fitness-App mit personalisiertem Konzept auf den Markt

Lob vom digitalen Trainer

Landau.Louisa setzt ihre Füße in rascher Folge auf einen Würfel und atmet hörbar ein: „Wenn du merkst, ich kann nicht mehr, dann mach’ langsamer – du möchtest die drei Minuten durchhalten“, ermuntert die Fitnesstrainerin. „Versuch’, durch die Nase zu atmen“, rät sie und lächelt. Die sympathische Louisa arbeitet nicht in einem Fitnessstudio, sondern auf dem Bildschirm und steht in Diensten des Südpfälzer Start-up-Unternehmens „Effit“, das eine ungewöhnliche Fitness-App entwickelt hat, die gerade auf den Markt gekommen ist. „Wir sind überzeugt, dass es ein Trainingskonzept wie ,FitterYou’ noch nicht gibt“, erklären die Firmengrüner Fritz Grünewalt und Jessica Kramer (kleines Bild). Zweieinhalb Jahre Entwicklungszeit und 3,5 Millionen Euro stecken in dem digitalen Personaltrainer.

Direkte Ansprache

Obwohl Louisa nur auf dem Bildschirm sportelt, spricht sie mit ihrem Schützling, gratuliert ihm zum Geburtstag, neckt ihn, wenn er ausnahmsweise mal frühmorgens trainiert oder nach einer längeren Pause wieder einsteigt. Falls der Eifer mal erlahmt, verfasst sie eine kurze Chat-Nachricht und fragt, wann sie den nächsten Termin einplanen kann. „Das wirkt“, grinst Kramer, der Fitnessstudios immer zu unflexibel waren. „Ich habe oft keine Zeit, wenn mein Lieblingskurs angeboten wird, und alleine das Tasche packen und hinfahren, kostet schon unnötig Zeit“, findet sie. Grünewalt waren volle Studios nach einem stressigen Arbeitstag meistens zu hektisch.

Auf die Idee mit dem intelligenten Smartphone-Trainer hat Grünewalt aber ein Bänderriss gebracht: „In meiner Zeit als Finanzvorstand beim 1. FC Kaiserslautern habe ich mich am selben Tag verletzt wie einer der Profis. Er war nach sechs Tagen fit, ich bin vier Wochen auf Krücken herumgehumpelt“, berichtet er. Der Schlüssel für die schnelle Genesung liege in der professionellen und individuellen Betreuung der Profi-Athleten. Daraus sei der Gedanke entstanden, Menschen dauerhaft in Bewegung zu bringen, um sie so möglichst lange gesund zu erhalten.

„Uns war wichtig, dass neueste sportwissenschaftliche, medizinische und trainingsdidaktische Erkenntnisse aus dem Profisport in das Konzept einfließen“, betonen die Firmengründer. So habe man sich unter anderem den Pfälzer Physiotherapeuten Mike Steverding ins Boot geholt, der internationale Spitzensportler und die österreichische Fußballnationalmannschaft betreut. So sei ein „Schatz“ aus 200 effektiven Übungen entstanden, die einzeln gefilmt wurden. „Für jedes Video haben wir ein eigenes Drehbuch von etwa 25 Seiten geschrieben“, verrät Grünewalt. Damit jeder Nutzer das perfekte Training erhält, machen Louisa und ihr männliches Pendant Martin – die aus über 80 Teilnehmern gecastet wurden – mit allen Neulingen einen Fitnesstest, zu dem auch das Treppensteigen auf dem Würfel gehört.

„Das ist der Herz-Kreislauftest damit wir wissen, wie es um die Ausdauer bestellt ist“, erklärt Kramer. Mit weiteren Übungen testet Louisa die verschiedenen Muskelgruppen und außerdem darf sich jeder sein persönliches Trainingsziel aussuchen: „Beim ,Power-Programm’ gehen Sportler an ihre Grenzen, die ,In-Shape’-Variante hilft dabei, wieder in Form zu kommen und ,Vitality’ ist ein gesunder Ausgleichssport“, nennt Kramer die Optionen. Außerdem werde jeder am Ende einer Einheit gefragt, ob die Übungen zu schwierig oder zu einfach waren, um das nächste Workout entsprechend anzupassen.

In einem weißen Regal stehen kleine Kisten mit Handtüchern und Wasserflaschen, die den 60 Testpersonen gehören, die alle FitterYou-Übungen vor laufenden Kameras ausprobieren durften. „Dabei haben wir entdeckt, dass die meisten die Videoanweisungen der Trainer nicht genau ausgeführt haben“, berichtet Grünewalt von den Erfahrungen.

Gelbe Hände, grüne Füße

„Digital kann ich ja nicht überprüfen, ob jemand die Übungen richtig oder falsch macht. Deshalb haben wir uns ein Koordinatensystem ausgedacht, das alle Fuß-, Hand-, Knie-, Unterarm- und Po-Positionen genau vorgibt“, sagt Kramer und deutet auf eine graue Matte mit gelben Händen und grünen Füßen. Sogar Punkte für Nase und Augen sind markiert.

„Die ,Perform-Mat’ spart auch Zeit, denn der Trainer muss nur sagen: den rechten Fuß auf F (für Fuß) 11 und das linke Knie auf K (für Knie) 1“, sagt Grünewalt und demonstriert das Prinzip mit einem Ausfallschritt. „Wer diese Übung regelmäßig macht, braucht nie einen Rollator“, verrät er.

„Klasse Leistung!“, lobt Louisa die 100 nach dem Kardio-Test ins Handy eingegebenen Herzschläge pro Minute. „Komm’, jetzt machen wir gemeinsam die nächste Übung“, sagt die Trainerin im Kumpel-Ton, der einem das Nein sagen verdammt schwer macht.