Metropolregion

Aufklärungskampagne Initiatoren von „Hör auf dein Herz“ gehen in Auswertungsphase / Oft unzureichende Medikation

Mahnbrief an alle Chefärzte der Region

Ludwigshafen.Das vor knapp einem Jahr in der Metropolregion Rhein-Neckar gestartete Aufklärungsprojekt „Hör auf dein Herz!“ (wir berichteten) geht in die wissenschaftliche Auswertungsphase. Schon jetzt steht fest: In nicht-kardiologischen Kliniken werden Patienten mit Vorhofflimmern nur unzureichend mit blutverdünnenden Medikamenten als Schlaganfall-Vorsorge behandelt.

Blutverdünner helfen

Jochen Senges von der in Ludwigshafen ansässigen Stiftung für Herzinfarktforschung und Martin Borggrefe von der Universitätsmedizin Mannheim berichten in einer gemeinsamen Pressekonferenz, dass ein Warnbrief an alle Chefärzte der Region geschickt worden ist: Darin wird darauf hingewiesen, dass in chirurgischen, orthopädischen oder urologischen Kliniken bei etwa jedem zehnten Patienten immer mal wieder das Herz aus dem Rhythmus gerät – aber von den Betroffenen nur etwa jeder Zweite Blutverdünner zur Verhütung verklumpender Gerinnsel erhält.

Solche Medikamente, in der Fachsprache Antikoagulantien genannt, „können schon wenige Tage nach einem operativen Eingriff wieder eingesetzt werden“, heißt es in dem Brief an Ärzte, der eine „leitliniengerechte Therapie“ anmahnt.

Das Aufklärungsprojekt wendet sich vor allem und ganz bewusst an die Bevölkerung. Grund: Noch immer ist verhältnismäßig unbekannt, dass sich bei Vorhofflimmern – häufig ohne (Herz-)Schmerzen und damit unerkannt – das Risiko für einen Schlaganfall um das Fünffache erhöht. Als gefährdet gelten vor allem Menschen jenseits der 65. Experten gehen davon aus, dass in der Metropolregion Rhein-Neckar um die 40 000 Männer und Frauen ab Mitte Sechzig davon betroffen sind, dass sich die Vorhöfe ihres Herzens nicht mehr rhythmisch zusammenziehen. Die Kardiologen Senges und Borggrefe betonen: Schlaganfall-Gefahr als Folge von Vorhofflimmern kann mittels Blutverdünnung ausgemerzt werden – bei lebenslanger Einnahme der Medikamente.

Mittels eines EKG-Diagnosesticks sind innerhalb von sieben Monaten bei kooperierenden Apotheken wie Veranstaltungen 5149 meist ältere Menschen auf Vorhofflimmern untersucht worden – bei 409 stellte der Hightech-Stab ein „Herzstolpern“ fest. In das wissenschaftliche Register wurden 2800 Patienten aufgenommen. Nach zwölf Monaten und nach zwei Jahren sind Nacherhebungen vorgesehen. Projektkoordinator Senges spricht von der deutschlandweit „größten medizinischen Aufklärungskampagne“.