Metropolregion

Justiz II Verurteilter Drahtzieher der Ermordung und Entführung von zwei Unternehmern wollte sich stets entlasten

„Manipulatives Aussageverhalten“

Archivartikel

Frankenthal.Eine mysteriöse Verbrecherbande, Verschwörungstheorien und Videos: Ramazan G. (50) – die zentrale Figur der Entführungs- und Mordfälle – hat im Frankenthaler Doppelmord-Prozess nichts ausgelassen, um sich zu entlasten. Die Erste Große Strafkammer um den Vorsitzenden Alexander Schräder betrachtet alles als widerlegt.

Die Verbrecher-Bande: Drogenhandel, Menschenschmuggel und Entführungen sollen das Geschäft einer Verbrecherbande gewesen sein, deren Anführer nach G.’s Erzählungen der mitangeklagte Hüseyin T. ist. Außer Yazemin T. sollen zwei vermummte Männer zu der kriminellen Truppe gehört haben. „Die Kammer ist überzeugt, dass es keine Bande gibt“, betont der Vorsitzende Richter. Die beiden Mitangeklagten hätten niemals zwei weitere Komplizen erwähnt.

Das Erpressungsvideo: Bei seiner Verhaftung hatte G. zunächst alle Vorwürfe abgestritten. Nach Kenntnis der Akten behauptete er, dass die „Bande“ ihn vergewaltigt, diesen entehrenden Übergriff gefilmt und ihn mit dem Video erpresst hat. Tatsächlich hat er einen solchen Film niemals vorgelegt.

Der Film von Toruns Ermordung: Ebenfalls bis heute schuldig geblieben ist der 50-Jährige die Vorführung eines Handyfilms, auf dem zu sehen ist, wie ein Mann in silberner Winterjacke und schwarzen Handschuhen Ismail Torun zwei Minuten und 17 Sekunden lang mit einem orangenen Kabelbinder erdrosselt. Aus Angst, die „Bande“ könnte seine Freundin oder seinen in Berlin lebenden Bruder töten, will G. den Film vor Gericht nicht zeigen. „Er hat aber sämtliche Inhalte hier haarklein erzählt, das hätte er nicht getan, wenn seine Familie mit dem Tode bedroht würde“, sagt Schräder.

Die gebastelte Waffe: Im Gefängnis hat G. sich eine Waffe gebastelt, die er nach Einschätzung des Gerichts gegen Mithäftlinge einsetzen wollte, mit denen er Schwierigkeiten hatte. Als sie von Bediensteten in seiner Zelle gefunden wurde, witterte der 50-Jährige wieder ein Komplott. So soll die Anstalts-Pfarrerin ihm das Stück untergeschoben haben.

Die Aussagen: „Alle Geschichten zeigen ein von Dominanz geprägtes, manipulatives Verhalten, das – mit Fakten unterfüttert – andere be- und Ramazan G. entlasten soll“, fasst der Vorsitzende zusammen. sin