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Kultur Historisches Museum der Pfalz zeigt in Speyer eine Sonderausstellung zur Geschichte der Medizin / Eckart von Hirschhausen und Noah Gordon als Berater

Medicus entführt in die Welt der Quacksalber

Archivartikel

Speyer.„Wir zeigen nicht nur Messer, aber es werden schon sehr sehr viele Messer zu sehen sein“, verrät Kurator Sebastian Zanke augenzwinkernd. Dann lässt er seinen Blick über Knochensägen, Schädelbohrer, Pfeilsonden und andere medizinische Instrumente schweifen, die bei einer Sonderausstellung des Historischen Museums der Pfalz in Speyer zu sehen sein werden. Ab 8. Dezember entführt „Medicus – Die Macht des Wissens“ die Besucher in die Welt der Medizingeschichte.

Da die Schau nach Angaben von Museumsdirektor Alexander Schubert den literarischen Zugang des Weltbestellers „Der Medicus“ von Noah Gordon nutzt, begleitet der 93-jährige US-Autor die Vorbereitung aus der Ferne.

Videobotschaft zur Eröffnung

„Wir kommunizieren mit seinem Sohn über WhatsApp und der gibt uns den Input weiter“, verrät Zanke. Gordon sei die Idee zu dem Roman während seiner Zeit als freiwilliger Helfer im Sanitätsdienst gekommen. Aufgrund seines Alters könne er zwar nicht mehr nach Speyer reisen, „er hat uns für die Eröffnung aber eine persönliche Videobotschaft geschickt und stellt uns ein ganz besonderes Exponat zur Verfügung.“

Prominenter Berater und Partner der Ausstellung ist der Arzt, Autor, Entertainer und Moderator Eckart von Hirschhausen, der im Januar zu einer Veranstaltung ins Museum kommt. „Er spricht auch Teile unseres Audio-Guides und befasst sich mit der Frage, wo man in der heutigen Medizin noch Dinge aus dem Mittelalter findet“, berichtet Museumsdirektor Alexander Schubert.

Zu den mehr als 600 Ausstellungsstücken gehört eine „Heilende Statue“ aus dem Louvre in Paris. „Sie ist mit Schriftzeichen und Rezepten bedeckt, die man befolgen muss, wenn man ein Heilmittel gegen Gift herstellen will“, erklärt der zweite Ausstellungsgestalter Wolfgang Leitmeyer. Im vierten Jahrhundert nach Christus seien Bisse von Schlangen und Skorpionen in Ägypten häufig vorgekommen. „Man hat die Statue mit Wasser übergossen, verschiedene Heilsprüche aufgesagt, die Flüssigkeit wieder aufgefangen und dem Patienten zum Trinken gegeben“, erklärt Leitmeyer das Prozedere. Eine Büste des Hippokrates, mesopotamische Tontafeln, Grabfunde aus römischer Zeit, Einhornpulver, die gläserne Frau – ein anatomisches Modell des Deutschen Hygiene-Museums – sowie die Instrumente des Chirurgen von der Weser, der im 13. Jahrhundert praktizierte, gehören ebenfalls zu den Leihgaben. „Zum ersten Mal werden in einer Ausstellung medizingeschichtliche Fundstücke aus mehr als 5000 Jahren zusammengeführt“, betont Schubert.

Auf dem Rahmenprogramm stehen ein Weihrauch-Tasting im Dom, ein Erste-Hilfe-Kurs für Globetrotter und Comedy-Abende mit dem Pfälzer Duo „Spitz und Stumpf“. Der Titel lautet: „Nie krank is net g’sund!“

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