Metropolregion

Germersheim Ausgrabungsarbeiten im Rhein verlaufen erfolglos / 1852 von einem Schiff gekippte Lok bleibt verschollen

Mehr als zwei Jahrzehnte Arbeit umsonst

Archivartikel

Germersheim.Böse Überraschung für die Schatzsucher: Nach jahrelanger Vorbereitung ist die Bergung der mit 166 Jahren wohl ältesten deutschen Dampflokomotive „Der Rhein“ im gleichnamigen Fluss bei Germersheim gescheitert. Wie das Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“ jetzt mitteilte, blieben großflächige Ausgrabungsarbeiten an der Buhne 527, wo die Verantwortlichen das historische Fahrzeug vermutet hatten, erfolglos. „An der Buhne 527 liegt keine Lok im Rhein“, konstatierte der Geophysiker Bernhard Forkmann bei einem Treffen aller Projektbeteiligten in Mainz.

Zuvor hatte Wolfhard Neu vom Bergungsunternehmen OHF mitgeteilt, dass bei der großflächigen Suche im Rhein keine Dampflok gefunden werden konnte. Das Flussbauunternehmen hatte in den vergangenen Tagen eine Fläche von mehr als 450 Quadratmetern bis zu einer Tiefe von neun Metern ausgebaggert. Obwohl sogar doppelt so tief wie geplant und auch an weiteren Stellen gegraben wurde, blieben die Bemühungen vergebens.

„Ich bin bestürzt und ratlos. Ich kann mir nicht erklären, welche Anomalie wir bei unseren jahrelangen, wiederholten Messarbeiten an der Buhne 527 bei Germersheim ausgemacht haben“, sagte Forkmann. Gleichzeitig kündigte der Geophysiker an, seiner wissenschaftlichen Verpflichtung und persönlichen Motivation nachgehen zu wollen, um aufzuklären, was die Anomalie bei den magnetsensorischen Messungen ausgelöst habe. Die Suche nach der Lok sei jedoch – zumindest für den Moment – gescheitert.

„Lebenstraum geplatzt“

Entsprechend niedergeschlagen waren die Schatzsucher Horst Müller, Uwe Breitmeier und Volker Jenderny. „Heute ist unser Lebenstraum geplatzt. Wir haben 25, teilweise 30 Jahre lang nach der Lok gesucht und waren uns so sicher, sie gefunden zu haben“, betonten sie. „Dieses Gefühl, dass die Schatzsuche gescheitert ist, lässt sich nicht in Worte fassen. Wir müssen diese Information erst noch verarbeiten.“ Eine weitere Suche nach der „Rhein“ – ob an dieser oder anderer Stelle – schlossen die älteren Herren aus.

Die vom Projektbüro für den 21. Oktober angesetzte Bergung wird nun abgesagt. In den kommenden Tagen stehen Gespräche mit Fans, Medien, Spendern, Sponsoren und weiteren Unterstützern des Projekts an. Das Bergungsunternehmen OHF beginnt zeitgleich mit dem Rückbau der Baustelle bei Germersheim. Die abgetragene Buhne soll wieder errichtet werden.

Die 1852 in den Karlsruher Kessler-Werken gebaute Dampflok war im selben Jahr auf dem Weg zu ihrem Einsatzort, der Bahnstrecke Düsseldorf-Eberfeld, bei Germersheim in den Rhein gestürzt. Nachdem erste Bergungsversuche gescheitert waren, geriet der „Schatz“ in Vergessenheit. Nach vielen Anläufen zur Ortung glaubte man nun, die Lok wiederentdeckt zu haben. jei