Metropolregion

Konzert Der Mannheimer Laith Al-Deen schafft zum Auftakt des Weinheimer Kultursommers unvergessliche Momente (mit Bilderstrecke)

Meister des emotionalen Pop

Archivartikel

Weinheim.Die Sonne dieses Sommerabends legt sich wie eine warme Umarmung auf den Schlosshof. Unvergesslich werden diese Momente, wenn sie von der Leichtigkeit atmen, wie sie ein Laith Al-Deen versprüht. Womit man auch schon beim Thema wäre. Denn der Mannheimer Sänger eröffnet den Weinheimer Kultursommer auf historischem Pflaster nicht einfach nur: In den 90 Minuten seines Konzerts fasziniert der Pop-Poet seine 700 Zuschauer mit der Kraft seines Herzens und beeindruckt damit nachhaltig.

Immer wieder neu erfunden

Die Magie, die sich vom ersten Takt an zwischen Sänger und Publikum entwickelt, hat mehrere Faktoren. Zum einen spricht unverkennbar für Al-Deen, dass der heute 46-Jährige die knappen zwei Jahrzehnte seiner Karriere über den Abend hinweg ebenso passioniert wie schonungslos rekapituliert. Da wird keine falsche Kosmetik aufgetragen: Al-Deen weiß, dass ihm der Weg zu den ganz großen Erfolgen im Haifisch-Becken der Musik-Industrie oftmals mit dem Geröll des Kommerzes versperrt war. Doch auch lokaler Ruhm kann durchaus seine Vorzüge haben. Ein immer wiederkehrendes „Ja, Mann!“ begleitet sonst jedenfalls kaum einen zweiten Künstler in solch reinem Kurpfälzisch.

Dieser Charme der Region hat Al-Deen immer Kraft geschenkt und hatte dabei durchaus auch inhaltliche Konsequenzen. Denn dass die kreative Ader dieses Meisters der emotionalen Pop-Musik nie versiegte, hat viel mit all seinen Liebhabern zu tun, die seine Musik stets zum Genuss erhoben – ganz gleich, in welchem Kleid sie daherkam. Und so präsentiert sich der Klangpurist mit stellenweise stark modernisierten Interpretationen seiner Nummern, die einen ganz neuen Blick auf das eigene Schaffen eröffnen. „Kleine Helden“ etwa wird nicht einfach nur zur nostalgischen Schwärmerei in den ersten Titeln seines Wirkens: Vom ersten großen Hit „Dein Lied“ zieht sich ein roter Faden in Richtung jener Losung, die für Al-Deen als kategorischer Imperativ zeitloser Qualität gilt: „Bleib’ unterwegs“.

Und so steht hier eine von der Branche gestählte Persönlichkeit am Mikrofon in Weinheim, die sich oft neu erfinden musste – diesen Schritt als permanente Selbstverständlichkeit jedoch nie wirklich fürchtete. Denn bei allen fortwährenden Erfolgen in den deutschen Charts gab Laith Al-Deen die eigenen künstlerischen Maximen nie preis. In Weinheim wird er für diese Standfestigkeit episch gefeiert.

Ein junger Künstler, der Mannheimer Popakademie-Absolvent Johannes Falk, nimmt im Vorprogramm die dicht besetzten Reihen mit seinem melancholischen, fast intimen Sound bestens ein. Ein großer Wink mit dem Zaunpfahl: Die Stoßrichtung Al-Deens hat auch im heutigen Pop Bestand hat – wenn man ihr nur Gestalt verleiht.

Dieses Kunststück gelingt in Weinheim in gleich dreifacher Hinsicht. Denn zum einen haucht der Protagonist großen Liebes-Hymnen wie „Jetzt, hier, immer“ ein lyrisches Timbre ein, das zwischen Opernbühne und Sehnsuchtsballade hin- und herschwingt. Auf der anderen Seite übersetzt der 46-Jährige diese Energie eben auch in Interaktion mit seinem Publikum.

Der Marsch durch die jubilierende Menge gehört für Laith Al-Deen hier ebenso dazu wie das obligatorische Meer aus Händen, das die Fans ihrem Idol allzu gerne spenden. In der kompakten, aber keineswegs zu engen Räumlichkeit, die auch die Eventmanagerin des Veranstalters Demi Promotion, Jessica Schattner, als „idyllischen Glücksfall“ bezeichnet, entsteht so eine Reibung, die der Band um Gitarrist Ole Rausch und einen bärenstarken Dave Mette an den Trommeln Flügel verleiht. Aber sie lässt auch den zeitlosen Klassiker „Bilder von dir“ zu einem Erlebnis werden, das auch nach langer Zeit ein Segen niemals auserzählter Liebesgeschichten ist.

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