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Prozess in Frankenthal

Misshandelter Säugling: Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen für Eltern

Archivartikel

Ludwigshafen.Acht Jahre Haft für die Mutter, vier Jahre für den Vater: Das fordert die Staatsanwaltschaft im Frankenthaler Prozess um die schwere Misshandlung eines sieben Wochen alten Säuglings. 

Die Staatsanwaltschaft sah es nach der Hauptverhandlung als erwiesen an, dass die Mutter dem Kind in der Nacht des 14. Oktober 2018 mehrfach ein Fieberthermometer anal eingeführt hat, um sich sexuelle Erregung zu verschaffen. Dabei habe sie eine Rektumperforation verursacht, die zu einer lebensbedrohlichen Entzündung des Bauchraums führte.

Der Vater habe in derselben Nacht durch Ziehen und Quetschen den Penis des Kindes verletzt, ebenfalls um sich sexuelle Erregung zu verschaffen. Die zahlreichen Brüche und Prellungen, die das Kind erlitten hatte, könnten den einzelnen Angeklagten jedoch nicht nachgewiesen werden, weshalb sie auch nicht bestraft werden könnten.

„Es wird wohl das ewige Geheimnis der beiden bleiben, wer wann was genau gemacht hat“, sagte Staatsanwältin Esther Bechert. Die Schuld hätten jedoch beide auf sich geladen, und diese könne ihnen niemand von den Schultern nehmen. Sie hätten sich das hilfloseste Wesen als Opfer ausgesucht, das nicht einmal in der Lage war, den eigenen Kopf selbst zu halten. „Das Kind war abhängig von zwei Menschen, die ihm nichts Gutes wollten“, sagte Bechert. Das Ausmaß der Qualen des Babys lasse sich kaum ausmalen, so wie sich auch die Taten selbst kaum ausmalen ließen.

Verteidiger Alexander Kiefer forderte für seine Mandantin, die Mutter, einen Freispruch. In der Hauptverhandlung hätten sich keine objektiven Beweisgrundlagen ergeben, dass die 27-Jährige eine der ihr vorgeworfenen Taten begangen habe. Auch der Anwalt des Vaters, Daniel Heinlein, hat für seinen Mandanten einen Freispruch gefordert. „Ihm konnte in der Hauptverhandlung kein strafrechtliches Verhalten nachgewiesen werden“, sagte. Deshalb könne am Ende nur ein Freispruch stehen, auch wenn dies nicht dem Volkswillen entspreche.

Das Urteil wird am Freitag erwartet.

Die Angeklagten waren im Juni für den Rest der Verhandlung auf freien Fuß gesetzt worden. Grund war die Unterbrechung des Prozesses wegen eines erkrankten Pflichtverteidigers. Das Oberlandesgericht Zweibrücken hatte zwar einen dringenden Tatverdacht betont. Da aber das Paar sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen habe und über einen festen Wohnsitz verfüge, genüge die wöchentliche Meldepflicht.

Der Junge lebt dem Vormund zufolge in einer Pflegefamilie und erholt sich allmählich. Für Prognosen über die Entwicklung sei es zu früh. (mit dpa)

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