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Schulgarten-Projekt Mehr als 8000 Kinder haben bei „Kids an die Knolle“ Kartoffeln angebaut und viel über Ernährung gelernt

Mit Grumbeeren rechnen und reimen

Archivartikel

Bad Dürkheim.Fachmännisch betrachten Hyusein und Johanna die kleinen braunen Knollen, die sie aus ihrem Hochbeet im Schulgarten buddeln. Johanna reibt mit den Händen die Erde weg und lässt die Kartoffeln in einen Korb purzeln. „Das Schulgartenprojekt Kids an die Knolle passt perfekt ins Konzept unserer Förderschule für ganzheitliche Entwicklung“, betont Bernhard Seefeld, Leiter der Sigmund-Crämer-Schule der Lebenshilfe in Bad Dürkheim. Stellvertretend für 8000 Kinder an 294 Schulen in Rheinland-Pfalz hat seine Schulgarten-AG mit der Grumbeer-Ernte begonnen. Den Startschuss gab die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer per Videobotschaft.

„Obwohl das Auspflanzen mitten in die Zeit der Corona bedingten Schulschließungen gefallen ist, haben eifrige Gruppen mit einigen Kindern die Knollen in den Boden gesteckt und so den Start des Projekts ermöglicht. Und mit den Kartoffeln ist viel Wissen über gesunde Ernährung in den Köpfen der Kinder gewachsen“, betont Hartmut Magin, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Pfälzer Grumbeere, die das Projekt organisiert und die Kartoffeln zur Verfügung stellt.

Ganzheitliche Förderschule

„Mit den Grumbeeren kann man einfach alles machen, sie passen als Gedichte in den Deutschunterricht, eignen sich zum Rechnen und Wiegen, lassen sich als Kunstwerk gestalten, im Hauswirtschaftsunterricht lernen wir viel über gesunde Ernährung, und in Musik singen wir Kartoffellieder“, erzählt Seefeld.

Da die 103 Kinder die Siegmund-Crämer-Schule von der ersten bis zur zwölften Abschlussklasse besuchen, sei der Unterricht sehr handlungsbezogen. Neben der Förderung der Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen werde viel praktisch gearbeitet. In der Abschlussstufe stünden Berufsvorbereitung und das sinnvolle Gestalten der Freizeit im Mittelpunkt: „Wir wollen unseren Schülern ein weitgehend selbstständiges Leben ermöglichen. Und ein Drittel unserer Absolventen findet einen Ausbildungsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt.“

„Nach den Sommerferien haben wir einmal in der Woche mit Kartoffeln gekocht, am besten hat den Kindern das Curry geschmeckt. Außerdem haben sie Plakate gestaltet und eine Materialmappe angelegt“, erzählt Lehrerin Yvonne Stiefenhöfer. Sie sei vom Enthusiasmus der Schüler selbst überrascht gewesen. „Alle haben gesagt, dass sie nächstes Jahr wieder mitmachen wollen.“

Als die große Waage 9,3 Kilo anzeigt, ziehen Johanna und Hyusein strahlend den schweren Korb herunter: „Da hat sich die Arbeit also doch gelohnt“, befindet der Sechstklässler stolz. „Aber eigentlich war der Anbau ganz locker, wir hatten kaum Unkraut. Und jetzt gibt’s bald leckeren Kartoffelsalat oder Spinat und Salzkartoffeln mit Rührei zum Mittag. So ein Schulgarten ist schon cool“, findet er.

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