Metropolregion

Justiz 35-Jähriger muss sich vor Gericht verantworten, weil er den Freund seiner Mutter totgefahren haben soll / Zum Auftakt nur Anklage verlesen

Mit Tempo 60 auf das Opfer losgerast

Archivartikel

Landau.Der 35-jährige Mann sitzt verhuscht zwischen seinen zwei Verteidigern auf der Anklagebank, versucht das Geschehen im Gerichtssaal zu begreifen, antwortet leise auf die Fragen nach seinen Personalien. „Können Sie uns folgen? Sie wirken ein wenig abwesend“, sagt Vorsitzender Richter Jörg Bork zu dem Angeklagten. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft leidet Jochen L. unter einer psychischen Krankheit. Vermutet wird eine schizoaffektive Störung oder eine paranoide Schizophrenie. Gleichwohl muss sich der Mann vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts in Landau wegen Mordes und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, dass er den 50-jährigen Freund seiner Mutter vorsätzlich und heimtückisch mit einem Transporter angefahren und damit getötet hat.

Es ist ein Horrorszenario, das Staatsanwalt Jochen Bader bei der Verlesung der Anklageschrift nachzeichnet. Demnach ist der Freund von L.s Mutter, der im selben Haus in dem Gommersheimer Wohngebiet lebt, am 12. Oktober 2017 kurz nach 17 Uhr gerade mit seinem Auto vor dem Grundstück angekommen. Er steigt aus dem Wagen und unterhält sich von der Straße aus kurz mit der Nachbarin, die auf ihrer Terrasse steht.

Noch am Tatort gestorben

Plötzlich fährt L. nach Darstellung der Staatsanwaltschaft mit einem Transporter Fiat Ducato in die Straße. Er gibt Gas und hält mit einem Tempo von rund 60 bis 70 Stundenkilometern auf den völlig arglosen Mann zu.„In der Absicht, diesen zu töten, steuert er direkt auf R. zu“, liest der Staatsanwalt vor. L. erwischt sein Opfer mit einer solchen Wucht, dass der Mann neun Meter weit durch die Luft geschleudert wird. Vor dem Nachbarhaus prallt er auf den Boden. Seine Verletzungen sind so schwer, dass er kurz darauf an dem Tatort stirbt.

Die Tat löst Entsetzen in der kleinen südpfälzischen Gemeinde aus. Das Motiv bleibt völlig unklar. Der Angeklagte wird während des Prozesses wohl auch nicht selbst dazu beitragen, diese zentrale Frage zu klären: Hannes Linke, einer der beiden Verteidiger von L., kündigt an, dass sein Mandant keine Angaben zur Sache machen werde.

Der Angeklagte sei gefährlich für die Allgemeinheit, sagt Staatsanwalt Bader. Er sei auch nur bedingt einsichtsfähig in das, was er getan habe. Weil das Opfer bei dem Angriff arg- und wehrlos gewesen sei, sieht Bader das Mordmerkmal der Heimtücke als gegeben. Gleichwohl steht wegen der Erkrankung eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Raum.

Die Strafkammer muss nun in acht weiteren Verhandlungstagen herausfinden, was die Hintergründe der Tat waren. Als Nebenkläger treten der Vater des Getöteten sowie dessen Kinder auf. Diese sind jedoch zum Prozessauftakt nicht erschienen, da lediglich die Anklageverlesung auf der Tagesordnung steht. Am 13. April wird das Gericht in die Beweisaufnahme eintreten. Terminiert ist der Prozess bis 25. Mai. bjz