Metropolregion

Kirchen Vor allem Erwachsene zwischen 25 und 40 Jahren treten immer häufiger aus / Freiburger Forscher berechnen Steuer voraus

Mitgliederzahlen halbieren sich bis 2060

Archivartikel

Speyer.Die Mitgliederzahlen beider Kirchen in Deutschland werden bis zum Jahr 2060 auf etwa die Hälfte zurückgehen. Das geht aus einer aktuellen Analyse hervor. Das Forschungszentrum Generationenverträge der Albert-Ludwig-Universität Freiburg hat eine Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung erstellt. Demnach werden protestantische und katholische Kirchenmitglieder auch in der Metropolregion immer seltener vertreten sein.

Der Präsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad, will dem Mitgliederschwund beherzt entgegentreten. „Unsere Kirche ist im Umbruch. Wir müssen uns auf Veränderungen einstellen. Ich begreife dies aber als Signal zum Aufbruch“, sagte Schad am Dienstag mit Blick auf die Synode der Evangelischen Kirche der Pfalz, die vom 22. bis 25. Mai in Speyer tagt. In der Vorausberechnung aus Freiburg heißt es, die Zahl der Mitglieder in der pfälzischen Landeskirche könnte von aktuell 516 000 Menschen auf knapp 417 000 Mitglieder im Jahr 2035 sinken. 2060 dürften demnach noch 290 000 Menschen der Landeskirche angehören. Dem Abwärtstrend wolle die Landeskirche entgegentreten, kündigte Schad in Speyer an. So wolle man sich etwa noch stärker jungen Erwachsenen und jungen Familien zuwenden.

Auch das Bistum Speyer könnte den Berechnungen zufolge im Jahr 2060 nur noch 245 000 Mitglieder haben. Nehme man die Tauf-, Eintritts- und Austrittsquoten der vergangenen Jahre als repräsentativ an, ergebe sich für das Bistum Speyer ein prognostizierter Rückgang von rund 528 000 Mitgliedern im Jahr 2017 auf rund 245 000 Mitglieder im Jahr 2060, so eine Mitteilung vom Dienstag. Die sinkende Mitgliederzahl wird sich den Prognosen zufolge auch auf die Kirchenfinanzen auswirken. Die Wissenschaftler sagen voraus, dass die Einnahmen aus der Kirchensteuer im Bistum Speyer von rund 136 Millionen im Jahr 2017 auf rund 108 Millionen Euro im Jahr 2060 zurückgehen werden. Dabei handelt es sich um nominale Werte, bei denen die Veränderung der Kaufkraft noch nicht berücksichtigt ist. „Schon heute ist klar vorherzusehen, dass die Ertragskraft der Kirchensteuer zur Finanzierung der Ausgaben in den nächsten Jahrzehnten abnehmen wird“, erklärt Diözesanökonom Peter Schappert.

„Die Studie des Forschungszentrums Generationenverträge führt uns den Wandel vor Augen, in dem sich unsere Gesellschaft und die Kirche seit Jahren befinden“, unterstreicht Generalvikar Andreas Sturm.

Als Ursache für den Mitgliederschwund nennen die Forscher die Bevölkerungsentwicklung, zum anderen aber auch innerkirchliche Faktoren. Sie nennen das Tauf-, das Eintritts- und vor allem das Austrittsverhalten. Letzteres sei der wichtigste Faktor und ist vor allem bei jungen Erwachsenen zwischen 25 und 40 Jahren überdurchschnittlich hoch.