Metropolregion

Muss man die Hochstraße Süd tatsächlich wieder aufbauen?

Muss man die Hochstraße Süd tatsächlich wieder aufbauen?

Archivartikel

Pro - von Bernhard Zinke

Erst gestern wieder: Die Anfahrt zum Pressetermin mit Staatssekretär Steffen Bilger (siehe Interview) ist ein nervenaufreibendes Geduldsspiel. Schon vor der Adenauerbrücke fädeln sich die Fahrzeuge in Zeitlupe auf den Fahrspuren ein. In der Gesamtschau ist der Verkehr ganz gewiss noch nicht wieder in der Menge auf der Straße, wo er noch bis Mitte März war. Noch immer sind zahlreiche Menschen im Homeoffice und entlasten damit den Pendlerverkehr. Aber die Lockerungen nach dem Lockdown haben das Verkehrsaufkommen schon nach oben getrieben – in nur scheinbar geordneten Bahnen. Und irgendwann ist die Krise vorbei. Spätestens dann, wahrscheinlich aber viel früher brauchen wir wieder zwei Durchgangsstraßen in der Ost-West-Achse der der Metropolregion – mindestens. Sicher: So viel Licht, Luft, Sonne war am Berliner Platz lange nicht. Aber dies ist nicht der Platz für wilde Stadtbildromantik. Die Nordtangente als Stadtstraße schafft keine 100 000 Fahrzeuge täglich. Käme die Ersatz-Hochstraße nicht, würden wir nicht mehr vom drohenden Infarkt, sondern vom Exitus reden.

Der Verkehrsinfarkt – nicht selten wurde er auch auf dieser Seite problematisiert. Trotz fehlender Hochstraße haben sich die Verkehrsströme inzwischen einigermaßen geordnet. Die Frage daher: Muss man die Hochstraße Süd tatsächlich wieder aufbauen?

Kontra - von Stephan Alfter

Wer heute mal Zeit hat, sollte es versuchen: einfach mal rauf aufs Fahrrad und dann die Yorckstraße entlang Richtung Berliner Platz. Wo die dunkle Hochstraße Süd noch vor wenigen Wochen eine eher bedrückende Atmosphäre schuf, hat das Areal ohne die just abgerissene Trasse plötzlich eine Raumwirkung, ja – selbst mit Baustelle – quasi eine Art Innenstadt-Entree. Licht, Luft und Sonne – so hieß schon nach dem Ersten Weltkrieg eine Architektur-Bewegung, die das Hinterhof-Ambiente in Innenstädten loszuwerden versuchte. Licht, Luft, Sonne – das ist auch das, was Ludwigshafen viel mehr braucht, um sein „#Pissbahnhof“-Image endlich der Vergangenheit zuzuschreiben. Wäre ich in diesem Moment Oberbürgermeister, ich würde mir sehr genau überlegen, ob die Hochstraße Süd tatsächlich noch einmal in dieser Weise aufgebaut werden sollte. Es klingt für einige Leute womöglich etwas durchgeknallt, aber manchmal in der Geschichte einer Stadt eröffnen sich kleine Chancen, etwas grundlegend zu ändern und ganz neu zu denken. Einen solchen Moment gibt es in Ludwigshafen vielleicht gerade.

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