Metropolregion

Brauchtum In der Weinbaugemeinde Meckenheim können Besucher das öffentliche Gießen verfolgen

Neue Glocke zum 1250. Geburtstag

Archivartikel

Meckenheim.Mit einer ungewöhnlichen Inszenierung erlebt die Pfälzer Weinbaugemeinde Meckenheim (Landkreis Bad Dürkheim) am Freitag, 8. und Sonntag, 10. Juni, einen kulturellen Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe zum 1250-jährigen Bestehen: Am Rathaus wird feierlich eine „Jubiläumsglocke“ gegossen, die nach ihrer endgültigen Fertigstellung bei der Gießerei Voegele in Strasbourg künftig auf dem Meckenheimer Friedhof zu Beerdigungen erklingen soll. Die Gießer aus dem Elsaß werden am 8. Juni ab 9.30 Uhr in Meckenheim den spektakulären öffentlichen Glockenguss starten.

Große Hitze notwendig

Die Glockenform aus dem Kern, der sogenannten falschen Glocke und dem Mantel kommt gegen 10.30 Uhr in die Gießgrube. Dort wird der Mantel abgehoben und die falsche Glocke in Stücke geschlagen. Aber erst am Abend gegen 21.30 Uhr wird die Bronze für die Glocke mit Schöpfkellen in die vorbereitete Form gegossen. Dafür ist eine Temperatur von rund 1100 Grad Celsius notwendig. Deshalb wird der Ofen am Rathaus ab 19.30 Uhr angeheizt.

Nach einem ökumenischen Gottesdienst wird die Glocke am 10. Juni um 13.30 Uhr wieder ausgegraben. Noch mit schwarzem Ruß überzogen wird sie dann erstmals mit einem Klöppel angeschlagen, bevor sie zum Säubern wieder in die Strasbourger Gießerei gebracht wird. Beim Jubiläums-Festumzug am 2. September wird die neue Glocke dann durchs Dorf gefahren, bevor sie am 3. Oktober an ihrem Platz auf dem Friedhof geweiht wird.

Das zur Verbandsgemeinde Deidesheim gehörende Meckenheim mit seinen rund 3450 Einwohnern feiert das ganze Jahr über sein 1250. Jubiläum – unter anderem mit einem Mittelaltermarkt vom 31. August bis 2. September, einem Festumzug am 2. September sowie einem Jubiläumslauf am 3. September. Außerdem werden auf einer Streuobstwiese 25 „Jubiläumsbäume“ gepflanzt – zum Teil in der Pfalz sehr seltene Apfel- und Birnenbäume. Das vermutlich seit dem fünften Jahrhundert besiedelte Meckenheim wurde 768 erstmals in einer Urkunde des Klosters Lorsch erwähnt. Weinbau wird in dem Dorf schon mindestens seit 788 betrieben. 1911 erhielt Meckenheim durch den Anschluss an die Lokalbahn nach Mundenheim einen Bahnhof, der 1955 allerdings nach Aufgabe der Bahn wieder geschlossen wurde. Seit 1973 gehört Meckenheim zur Verbandsgemeinde Deidesheim.

Bekanntester Meckenheimer ist Ortsbürgermeister Heiner Dopp (61): Der Winzer, seit 1999 Bürgermeister, war mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft (286 Länderspiele) dreimal Olympiateilnehmer, dreimal Europameister und zweimal Vize-Weltmeister. Außerdem war Dopp mit der TG Frankenthal obendrein achtmal deutscher Meister. rs

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