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Altenheim-Morde Bereitschaftsärztin kann sich im Zeugenstand nicht an die Untersuchung eines mutmaßlichen Mordopfers erinnern / Leichenschauen schwierig

„Ohne Obduktion sind das Verdachtsdiagnosen“

Archivartikel

Frankenthal.„Meine Erinnerung an diesen Fall ist brüchig“ – mit diesem Satz lässt eine Ärztin im Frankenthaler Prozess um die Morde in einem Lambrechter Altenheim viele Hoffnungen platzen. So ist die 51-Jährige die einzige sachverständige Zeugin, die eines der mutmaßlichen Opfer vor der Einäscherung gesehen hat. Zudem stellte die Medizinerin den Totenschein für die 62-Jährige aus. Auf der Anklagebank verfolgen die Ex-Heimmitarbeiter Celina M., Danny L. und Michael K. ihre Vernehmung. Sie sollen laut Staatsanwaltschaft in wechselnder Besetzung zwei alte Damen heimtückisch ermordet haben.

Um den Tod der 62-Jährigen ranken sich die meisten Ungereimtheiten. Die schwerkranke Frau verstarb am Abend des 20. Februar 2016, nachdem sie zuvor zweimal von einem Notarzt wegen akuten Unterzuckers versorgt worden war. Die Anklage geht davon aus, dass K. der 62-Jährigen – die keine Diabetikerin war – in seiner Spätschicht Insulin gespritzt hat.

Von der Anhörung der Medizinerin erhoffte sich die Verteidigung nun neue Erkenntnisse. „Ich kann mich an die Frau nur als Patientin erinnern, sie ist mit dem Notarzt zu uns in die Klinik gebracht worden und wollte sich nicht untersuchen lassen“, so die Zeugin. Später habe sie einen Krampfanfall erlitten, den Kollegen auf Unterzuckerung zurückführten. Erkannt habe sie die Frau nicht, als sie zwei Monate später als Bereitschaftsärztin im Heim die Leichenschau machte. „Schwerer Unterzucker, Blutzucker ging nicht hoch, Koma, Tod“ liest die Vorsitzende den Totenschein vor und schließt die Frage an: „Wie kamen Sie darauf?“ „Leichenschauen ohne Autopsie basieren auf Verdachtsdiagnosen. Man ist auf die Angaben der Heimmitarbeiter und die Krankenakten angewiesen“, so die Ärztin.

Eine Studie habe gezeigt, dass die eingetragene Todesursache in 60 Prozent der Fälle falsch sei. 

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