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Tagebuch Vom Tischtennisturnier bis zum Malwettbewerb versuchen wir alles, um den Nachwuchs in diesen Zeiten bei Laune zu halten

Omas kämpfen mit Schwertern gegen Corona

Archivartikel

Freitag: Zu Hause ist die anfängliche Freude darüber, dass sich die Kinder jetzt ausgiebig und regelmäßig die Hände waschen, nicht mehr ganz so groß. Das viele Waschen hat die Hände ziemlich ausgetrocknet. Sie sind rissig, selbst Handcreme hilft nicht mehr. In der Apotheke stellen wir fest, dass der Chef seine Mitarbeiter und sich besonders schützt: Er gibt Medikamente jetzt hinter einer Schutzwand aus Plexiglas aus. Der Schutz sei nötig: „Wir haben 50 Prozent mehr Kundschaft.“

Eine Fahrradtour führte die ganze Familie später noch zur Oma ein paar Orte weiter. An der Haustür – mit ausreichend Abstand – können wir sie wenigstens sehen. Und mitgebracht haben wir auch etwas. Statt Blumen haben wir für sie beim Einkaufen eine große Tüte Mehl ergattert. Die Freude ist groß: „Das beste Geschenk in diesen Tagen!“

Samstag: Die meisten Menschen, die gerade überwiegend zu Hause sind, haben jetzt mehr Zeit. Auch eine Familie aus unserer Nachbarschaft. Sie hat ältere Kinder – und ein ganzes Zimmer ausgemistet. Ob wir nicht kommen und uns was aussuchen wollen, bevor alles weggebracht werden soll? Klar, wollen wir! Vielleicht finden sich so ein paar Beschäftigungsmöglichkeiten für die nächsten Wochen. Unsere Kinder kehren mit breitem Grinsen zurück – und vielen Spielen. Mit Legosteinen und einer Carrera-Bahn haben sie erst einmal jede Menge zu tun.

Am Nachmittag fühle ich mich wie in einem Indoor-Spielplatz. Das schlechte Wetter zieht alle ins Haus. Um für Abwechslung zu sorgen, haben wir die Tischtennisplatte aus dem Garten ins Wohnzimmer gestellt. Das ständige Pingpong lässt sogar unseren Hund hilfesuchend zu uns blicken. Seine Rettung ist einfach: Wir öffnen die Tür zum Flur, wo er sich auf sein Plätzchen verzieht und friedlich schlummern kann. Unser alter Kater leidet vermutlich an einer leichten Schwerhörigkeit und bleibt eingerollt auf seinem Platz liegen. Mein Mann beschließt, voller Elan den ganzen Schreibkram zu sortieren. Und ich? Ich schreibe mir gerade alles von der Seele. Dann mache ich mit dem Nachwuchs einen Regen-Spaziergang – bis das nächste Tischtennis-Match ansteht.

Aus einem Match an der Tischtennisplatte ist am Abend ein ganzes Turnier geworden. Am Ende darf Florian den Gesamtsieg feiern. Ein Abendspaziergang war zum Auslüften trotzdem noch nötig. Hund Greta versteht gar nicht, warum sie jetzt so viel Auslauf bekommt. Die allerletzte Runde am späten Abend lehnt sie seit zwei Tagen ab, hebt nur kurz den Kopf, um sich ganz entspannt wieder zurückfallen zu lassen...

Sonntag: Der Tag beginnt mit einem Malwettbewerb. Es darf aufs Papier gebracht werden, was das Herz begehrt. Alle sind sich einig. Sieger ist Sebastian. Er hat seine Großmütter zu Superhelden mit Laserschwert gemacht, die mit vereinten Kräften gegen das Virus kämpfen. Der Künstler zu seinem Werk: „Die Omas kämpfen mit vielen Menschen gegen Corona, das im Garten fliegt. Die eine Oma springt über das Virus und sticht dann mit dem Laserschwert rein. Dann ist es kaputt. Die Omas gewinnen!“ Das wünschen wir allen Menschen im Kampf gegen Corona. Die beste Waffe: Bleibt zu Hause!

Info: Blog unter https://morgenweb.de/zwangsauszeit

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