Metropolregion

Missbrauch Bistum Speyer muss tiefer in die Tasche greifen

Opfer können mit mehr Geld rechnen

Archivartikel

Speyer.Das katholische Bistum in Speyer stellt sich – wie die Nachbarbistümer Mainz und Trier – nach der Neuregelung der Anerkennungszahlungen für Missbrauchsopfer auf hohe Zahlungen ein. Die Verantwortlichen in Speyer rechnen damit, dass sich die Höhe der Leistungen auf drei bis vier Millionen Euro erhöhen werde, wie Sprecher Markus Herr sagte. Bislang wurden dort rund 482 000 Euro an 55 Betroffene gezahlt. Nach einem Beschluss der deutschen Bischöfe sollen Missbrauchsopfer künftig auf Antrag Ausgleichszahlungen von bis zu 50 000 Euro erhalten. Anträge können ab Januar 2021 gestellt werden.

Die Höhe der Einmalzahlungen wird von einem unabhängigen Entscheidungsgremium individuell festgelegt: Das Gremium aus sieben Personen soll bis Ende des Jahres stehen, teilte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) in Bonn mit. Angestrebt werde eine „möglichst zeitnahe Bearbeitung“ der Anträge. In Speyer kommt das Geld für Missbrauchsopfer aus dem Verkaufserlös des Bistumshauses St. Josef, in dem zuletzt die Zentrale des Diözesan-Caritasverbandes untergebracht war. Das Haus gehöre zum Bischöflichen Stuhl, der über eigenes Vermögen verfüge. Die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche hatten lange auf eine Neuregelung der Zahlungen gedrängt. Vielen sind die jetzt anvisierten Beträge zu niedrig. Opferverbände hatten bis zu 400 000 Euro pro Fall gefordert.

Im Herbst 2018 hatte die katholische Kirche die sogenannte MHG-Studie und damit Zahlen zu sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Demnach sind bundesweit von 1946 bis 2014 insgesamt 1670 Kleriker wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt worden.

Es gab 3677 Opfer. In Rheinland-Pfalz und im Saarland wurden Hunderte Kinder und Jugendliche missbraucht. 

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