Metropolregion

Freizeit Nach der Eingewöhnungszeit sind die vier neuen Wassermarder erstmals im Landauer Zoo zu sehen

Otterbande begeistert Gäste

Archivartikel

Landau.Auf dem großen Sandsteinfelsen kringelt sich ein graubraunes Fellbündel, aus dem im Wechsel vier verschiedene Köpfchen auftauchen. Ein kleines Geräusch hinter der Stalltür beendet mit einem Schlag das Sonnenbad der vier Kurzkrallenotter, die quietschend davon sausen. „Die Vier machen im Moment einfach alles zusammen, kuscheln, spielen, schwimmen und schlafen“, erzählt Christina Schubert. Die Kuratorin des Landauer Zoos hat sich sofort in die quirligen Raubtiere verliebt, die aus dem englischen Chester in die Südpfalz gezogen sind und nun in der ehemaligen Seebären-Anlage wohnen.

Nachzucht nicht geplant

Die vier Tiere sind Geschwister, ein Männchen und drei Weibchen. „Bislang gab es kein Zuchtprogramm für Südostasiatische Kurzkrallenotter, aber nun will der Europäische Zooverband die Nachzucht koordinieren und wir haben uns bereiterklärt, nicht zu züchten, sondern mit dieser Gruppe zu arbeiten“, erklärt Schubert, warum es in Landau keinen Nachwuchs geben wird.

„Hallo, das sind meine Schuhe, die brauche ich noch“, ruft Raubtierpfleger Torsten Schmeing tadelnd, als die Otterbande sich auf ihn und den silbernen Futtereimer stürzt. Quiekend schlagen die kleinen Wassermarder ihre scharfen Zähne in die Fußbekleidung ihres Betreuers. „Es hat Wochen gedauert, bis sie so nah an mich rangekommen sind“, ist Schmeing froh, dass seine neuen Schützlinge Vertrauen zu ihm gefasst haben. „Nach dem langen Transport aus England waren die Tiere sehr schüchtern. In den ersten zehn Tagen haben sie sich versteckt, sobald jemand den Stall betreten hat“, ergänzt Schubert. Deshalb habe man ihnen eine längere Eingewöhnungszeit hinter den Kulissen gegönnt. Zudem stehe die Tür zum Stall immer offen. „Damit sie sich verkriechen können, wenn es ihnen mal zu viel wird. Aber sie haben sich schon ganz gut an Schulklassen und Besuchergruppen gewöhnt“, berichtet die Diplombiologin.

Um ein Stück Muschelfleisch zu erhaschen, schieben sich die Geschwister hin und her, grummeln auch mal oder machen nebeneinander Männchen. Kaum haben sie ein Stück zwischen den Zähnen, flitzen sie ans andere Ende des Stegs, um es in aller Ruhe zu verspeisen. „Wir füttern dreimal am Tag auf der Außenanlage und verstecken auch Futter, damit es den intelligenten und verspielten Tieren nicht langweilig wird.“ Mit ihren empfindlichen Füßen suchen die Tiere den Boden nach Nahrung ab und betasten alles ausgiebig. „Kurzkrallenotter leben in Mangroven oder an Flussläufen. Sie jagen nicht, sondern suchen im Schlamm Krebse oder Schnecken“, erklärt Schubert. Im 1,50 Meter tiefen Badebecken tauchten die Tierchen aber gerne nach Fisch oder anderen Dingen. „Wir haben ihnen neulich Walnüsse zum Knacken ins Wasser geworfen, das hat sie ziemlich lange total gefesselt.“

Damit sich die Viererbande richtig wohlfühlen kann, sei die ehemalige Seebären-Anlage umgestaltet worden: „Es gibt jetzt einen größeren Landteil, einen Bachlauf mit Frischwasserzufluss, Sandbänke sowie einen Pflanz- und Flachwasserbereich.“ Mit dem Einzug dieser neuen Tierart gehe man in Landau den bereits eingeschlagenen Weg konsequent weiter: „Ändert sich die Sicht auf die Ansprüche an die Haltungsbedingungen, gestalten wir die Gehege um oder besetzten sie mit besser geeigneten Arten“, erläutert Zoodirektor Jens-Ove Heckel. „Die jetzige Otteranlage hat in den 60er Jahren noch Eisbären beherbergt. Aber damals wollte man die Zootiere auch nicht quälen, man wusste es nur nicht besser. In den 70ern hat man Kinder im Auto auch nicht angeschnallt“, erläutert Schubert.

Unbändiger Spieltrieb

Die satt gefutterten Otter widmen sich wieder ihrem unbändigen Spieltrieb, sie tauchen ab und drehen sich in endlosen Purzelbäumen durch die Fluten , so dass immer wieder ein Hinterteil samt Schwanz aus dem braunen Wasser auftaucht. Über die Äste am Ufer balancieren die Vier im Gänsemarsch, um zwischen den Steinen hindurch zu kriechen oder unter der Holzbrücke zu verschwinden. „Die ,ottern’ einfach ein bisschen rum“, grinst Schubert.

Wer wer ist, wisse man noch nicht so genau. „Zwar haben alle Tiere einen Chip, doch um den auszulesen, sind sie noch nicht zahm genug. Sobald sie uns aber nahe genug an sich heranlassen, werden wir uns Namen ausdenken“, sagt Tierpfleger Torsten Schmeing.