Metropolregion

Kommunalwahl Im pfälzischen Waldsee werben Ortsbürgermeister-Kandidaten mit lebensgroßen Fasnachts-Figuren

Prinzessin gegen Umzugsbauer

Archivartikel

Waldsee.Wer derzeit durch Waldsee fährt, fühlt sich in die Faschingszeit zurückversetzt. Denn in der Ludwig- und der Goethestraße ziehen zwei lebensgroße Papp-Figuren mit Fotogesichtern die Blicke auf sich. Die Kunstwerke stammen tatsächlich vom Fasnachtsumzug, allerdings spielen sie mittlerweile die Rolle eines dreidimensionalen Wahlplakats. Claudia Klein (CDU) und Steffen Sternberger-Hahn (SPD) kandidieren für das Amt des Ortsbürgermeisters und nutzen die Figuren als Wahlwerbung.

Die Frage, wer die Idee von wem übernommen hat, beantworten beide mit einem Augenzwinkern: „Weder noch – der Karnevalverein KV Uno hatte die Idee, denn die Papp-Puppen standen sich am Fasnachtsdienstag auf einem Umzugswagen im Armdrücken gegenüber“, erzählt Klein im Gespräch mit dieser Zeitung. „Auf dem Schild stand, wenn zwei sich streiten, freut sich die Uno“, erinnert sich Sternberger-Hahn, der im Bühnenbau-Ausschuss der Uno aktiv ist. Klein war als „echtes Uno-Kind“ 2006 als Repräsentantin der Waldseer Narren aktiv. Der Verein freue sich, dass die Skulpturen nun auch nach dem Umzug noch zu Ehren kommen.

Klein und Sternberger-Hahn werden oft auf die ungewöhnliche Wahlwerbung angesprochen. Die Resonanz sei durchweg positiv. Die meisten fänden die Idee originell.

„In unserem Ort hängen wegen der Wahl zum neuen Chef der Verbandsgemeinde und der Ortsbürgermeisterwahl so viele Plakate, dass man froh ist, wenn man sich etwas abheben kann“, findet Sternberger-Hahn. Seine Figur steht im Vorgarten in der Goethestraße, die recht gut befahren ist. „Ich habe manchmal Bedenken, wenn Autos bremsen, weil die Fahrer den Pappkameraden bemerken“, sagt er. Kleins „Prinzessin“ steht ebenfalls recht prominent am Ortsausgang in Richtung Speyer.

Allerdings weicht das Schauerwetter die handgemachten Statuen allmählich auf. „Sie sind ja aus Pappmaché und eigentlich nur für den Umzug gebaut worden“, sagt Klein. Sie hat ihr Exemplar deshalb nicht gleich nach Fasching ins Freie gestellt, um es zu schonen. Auch ihr Gegenkandidat hofft, dass sein Ebenbild noch bis zu den Kommunalwahlen am 26. Mai durchhält. „Ein bisschen habe ich die Figur schon präpariert, damit das Wasser sie nicht völlig aufweicht“, sagt er.

Ob am Wahltag Prinzessin oder Umzugsbauer das Armdrücken für sich entscheidet, werde sich zeigen. „Es ist ein fairer Wahlkampf“, sagt die 37-jährige Mutter von vier Kindern, die als Beigeordnete die Bereiche Jugend und Senioren betreut. „Wir wollen ja auch nach der Wahl gut zusammenarbeiten“, stimmt Sternberger-Hahn zu. Der Bäckermeister ist in der JVA Mannheim für die Ausbildung der Gefangenen zuständig.