Metropolregion

Rebellion statt Ohnmacht

Schweigen ist keine Lösung. Wer in Not ist, darf laut werden. Und unbequem. So wie Rosi Schmitt. Die 68-Jährige aus Speyer organisiert aus Überzeugung Mahnwachen gegen Altersarmut, weil sie nicht einsieht, warum manche Rentner nur von Tafeln und dem Einsammeln von Pfandflaschen leben sollen. Dabei lässt sich die Pfälzerin nicht vor den Karren einer Partei spannen. Es geht ihr nicht um politisches Kalkül, sondern um die Not der Alten. Dagegen lehnt sich die mutige Macherin auf.

Statt sich für ihre Mittellosigkeit nach 45 Jahren Arbeit zu schämen, geht die Kämpferin in die Offensive. Die gelernte Bankkauffrau verteilt Flugblätter und rechnet dem Staat knallhart vor, dass die als Superlösung verkaufte Grundrente eine Mogelpackung ist. Etwa 625 000 Rentner-Haushalte verzichten aus Scham oder Unwissenheit darauf, Zuschüsse oder Grundsicherung zu beantragen. Das spült jährlich etwa zwei Milliarden Euro zusätzlich in die Staatskasse. Geld, das nun angeblich großzügig an die Rentner ausgeschüttet werden soll. Doch so lässt sich Altersarmut nicht bekämpfen.

Für Rosi Schmitt ist Entbehrung längst Alltag. Ein Schwimmbadbesuch ist für die Pensionärin reiner Luxus, von kultureller Teilhabe in Form von Konzertbesuchen ganz zu schweigen. Viele ihrer Freundinnen vertuschen ihr Elend, ziehen sich zurück und machen es der Gesellschaft damit leicht, sie zu übersehen. Rosi Schmitt wählt lieber den friedlichen Protest.

Mit den Mahnwachen will die Rentnerin ihre Empörung gesellschaftsfähig machen. Ob es etwas bringt, wird sich zeigen. Aber auch in der klassischen Literatur sind es meistens einfache Leute, die sich durch Mut und Geschick Gehör verschaffen und zum Helden werden.

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