Metropolregion

Elektronik überhitzt

Rhein-Neckar: Straßenbahnen und Busse fallen wegen Hitze aus – Klimaanlagen am Limit

Archivartikel

Rhein-Neckar.Die hohen Temperaturen machen auch Bus- und Bahnfahrern in der Region zu schaffen. Wie die RNV auf Nachfrage erklärte, steigt die Zahl der Fahrtausfälle in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg seit Beginn der Hitzewelle an. Am Donnerstag fielen bis zum Nachmittag zehn Fahrten aus: Sechs Straßenbahnen und vier Busse blieben hitzebedingt liegen. „Die Ausfälle sind über unser gesamtes Gebiet nahezu gleichmäßig verteilt, einen Schwerpunkt können wir derzeit nicht erkennen“, erklärte RNV-Sprecher René Weintz.

Der häufigste Grund für Probleme ist überhitzte Elektronik. Sobald die Fahrzeuge eine zu hohe Temperatur erkennen, schalten sie automatisch in einen Notmodus, in dem Straßenbahnen nur noch mit Tempo 30 fahren können oder ganz stehenbleiben. „In den meisten Fällen reicht es aus, dass sich das Fahrzeug eine Weile abkühlt, ohne zu fahren“, so der Sprecher der RNV. „Bei dem hochsommerlichen Wetter kann es aber auch nötig sein, die Fahrzeuge in die Werkstatt zu schleppen.“

Innen 34 Grad - im Idealfall

Für die Fahrgäste können die Temperaturen indes auch bei fahrenden Bahnen zum Problem werden: Die Zahl der Klimaanlagen-Ausfälle steigt derzeit ebenfalls merklich an. „Wir versuchen zwar, solche Fahrzeuge aus dem Betrieb zu nehmen, aber wir haben nur begrenzt Ersatz. Deshalb fahren derzeit auch Bahnen und Busse ohne funktionierende Klimaanlage – das ist aus unserer Sicht immer noch besser, als die Fahrten ganz ausfallen zu lassen“, so der RNV-Sprecher René Weintz.

Die Klimaanlagen sorgen allerdings schon seit Jahren für Diskussionen in der Region. Weil die verbauten Geräte nur eine begrenzte Leistung haben, beschweren sich regelmäßig Fahrgäste über die hohen Temperaturen in den Fahrzeugen. Die RNV gibt von sich aus an, dass ihre Geräte lediglich einen Temperaturunterschied von sechs Grad erreichen sollen: Bei derzeit rund 40 Grad würde es in den Bussen und Bahnen der Region also auch im Idealfall 34 Grad warm sein. „Einerseits gibt es medizinische Erkenntnisse, dass ein höherer Temperaturunterschied zwischen Innen und Außen ungesund ist“, so der Sprecher des Verkehrsunternehmens. „Andererseits ist es technisch schwierig, insbesondere die Straßenbahnen abzukühlen, weil dort an jeder Haltestelle viele Türen aufgehen und heiße Luft einströmt.“

Kraftstoff und Strom sparen?

Gleichzeitig erklärt die RNV, dass eine stärkere Kühlung technisch durchaus möglich, aber nicht wirtschaftlich sei. Die Klimageräte müssten dafür deutlich größer und schwerer dimensioniert sein, wie es in anderen Ländern oft üblich sei. „Während (das als Beispiel angeführte) Bangkok das gesamte Jahr über tropisch warmes Klima hat, „genießen" wir im Rhein-Neckar-Delta Temperaturen von mehr als 30 Grad vielleicht ein paar Wochen im Jahr. Sollten wir für ein paar Hundstage tonnenschwere Gefrierschränke auf jedem noch so alten Fahrzeug montieren, die das ganze Jahr mitfahren müssen und so Kraftstoff und Strom fressen?“, heißt es auf der Internetseite der RNV.

Bei den zukünftigen Straßenbahn-Modellen verspricht das Verkehrsunternehmen aber eine Verbesserung. „Bei der Rhein-Neckar-Tram RNT2020, von der ab nächstem Jahr die ersten Modelle eingesetzt werden sollen, haben wir eine stärkere Klimaanlage verbaut“, so RNV-Sprecher René Weintz.     

In einem anderen Bereich gibt das Verkehrsunternehmen derzeit komplett Entwarnung: Weder bei Schienen noch bei Weichen oder Oberleitungen habe es bei der aktuellen Hitzewelle bislang Probleme gegeben. „Durch hohe Temperaturen kann sich das Material ausdehnen und im schlechtesten Fall die Strecke blockieren. Noch ist da aber alles im grünen Bereich“, teilt die RNV mit.  

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