Metropolregion

Prozess Ringerlegende aus Ludwigshafen wegen Beihilfe zum Drogenhandel zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt

Richter hält eigenes Urteil für angreifbar

Archivartikel

Frankenthal.Gefasst und regungslos nahm die Ludwigshafener Ringerlegende das Urteil zur Kenntnis: Wegen Beihilfe zum Drogenhandel wurde er zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt – obwohl „das Urteil in vielerlei Hinsicht diskussionswürdig und angreifbar ist“, gab der Vorsitzende Richter Karsten Sauermilch in seiner Urteilsbegründung zu. Die Entscheidung der Kammer sei „aber kein salomonischer Mittelweg“, betonte er. „Wir sind der Überzeugung, dass dieses Urteil der Sache am nächsten kommt.“ Gemeinsam mit zwei weiteren Männern war der Olympiasieger wegen der Herstellung und des Handels von Betäubungsmitteln als Mitglied einer Bande angeklagt.

Der Richter hob hervor, dass der ehemalige Spitzensportler zwar glaubhaft versichern konnte, dass er „innerlich die Geschäfte ablehnt“. Durch sein Handeln habe er die Taten seiner Freunde aber billigend in Kauf genommen. Zwar sei er nach Auffassung der Kammer weder am Anbau noch am Verkauf von Marihuana beteiligt gewesen, doch habe er den Handel mit der Droge ermöglicht, indem er den Hauptangeklagten während einer Krankheit in dessen Zuhause gepflegt hat. Dort wurden auch die Pflanzen gezüchtet. „Auch wenn das ein Freundschaftsdienst war. Er wusste, dass mit Drogen gehandelt wird und hat so die Haupttat gefördert“, so der Richter.

Verteidiger kündigt Revision an

Verteidiger Roman Schweizer kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. „Das, was ich in der Urteilsbegründung gehört habe, wäre auch für den von uns geforderten Freispruch ausreichend“, sagte er im Anschluss an den Prozess.

Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und acht Monate Haft gefordert und teilte mit, eine Revision prüfen zu wollen. Die beiden Mitangeklagten wurden vom Gericht zu Haftstrafen von viereinhalb und vier Jahren verurteilt.

Laut Sauermilch betrieben die beiden eine professionelle Plantage in einem Haus in Östringen. Dort wurden unter anderem Dutzende Pflanzen in verschiedenen Wachstumsstadien und 16 Kilo abgeerntetes Marihuana sichergestellt. Den Vorwurf der Bandenkriminalität sah der Richter als nicht gegeben. „Klar ist, dass alle drei keine Schwerkriminellen sind“, so Sauermilch. „Aber auch keine drei lieben Rentner. Das zeigt schon die hoch professionelle Zuchtanlage.“

Zum Thema