Metropolregion

Rindfleisch, Smartphone, Auto - Klimaschutz konkret

Sinsheim.Der Regenwald im Amazonas ist nur noch ein braunes Ödland und steigende Meeresspiegel haben ganze Landstriche überflutet. So könnte die Welt im Jahr 2100 aussehen, wenn es nicht gelingt, den Klimawandel zu stoppen. Mit diesem Szenario werden die ersten Besucher der "Klima Arena" gleich am Anfang der Ausstellung konfrontiert. In einem virtuellen Gletscher reisen sie 13 Minuten lang um die Welt - und bekommen die Folgen der Erderwärmung vor Augen geführt.

"Was hier gezeigt wurde, schafft hoffentlich ein Bewusstsein für das Problem", sagt Heike Herpichböhm am Samstag nach der futuristisch wirkenden Animation. Die 60 Jahre alte Besucherin kritisiert, dass sich zu wenig Menschen Gedanken machen, welche Folgen der Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten haben könnte.

Die Türen der "Klima Arena" im nordbadischen Sinsheim standen am Samstag zum ersten Mal offen - und es kamen nach Angaben der Betreiber über 4000 Menschen. "Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen", sagt Bernd Welz am Samstag. Er ist Vorstandsmitglied bei der Klimastiftung für Bürger. Die Stiftung wurde von Dietmar Hopp ins Leben gerufen und engagiert sich für ein besseres Verständnis von Klima, Umwelt, erneuerbaren Energien und Ressourcenschutz.

Die Schau ist in fünf Abschnitte gegliedert: Grundlagen der Physik, Wohnen und Energie, Mobilität sowie Lebensstil und Konsum. An einer elf Meter langen Wand mit Bildschirmen können sich die Besucher zum Beispiel über die Unterschiede zwischen Energieträgern wie Wind, Sonne oder Kohle informieren. Zudem gibt es ein 12 000 Quadratmeter großes Außengelände, wo etwa die ökologische Bedeutung von Streuobstwiesen gezeigt wird.

"Alles, was in der Klima Arena zu sehen ist, ist wissenschaftlich fundiert. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen und sie zu inspirieren, am Ende etwas zu tun", sagt Welz. Deshalb beziehen sich viele der 29 Exponate auch auf den Alltag. An einer Station wird etwa gezeigt, wie der Wocheneinkauf mit dem Klima zusammenhängt.

Die Besucher können - wie im Supermarkt - Obst, Gemüse oder Fleisch aus einem virtuellen Regal auswählen. Ein Computer berechnet dann, wie hoch der CO2-Verbrauch für die Produkte ist. So werden etwa für 100 Gramm Schweinefleisch im Mittel 420 Gramm Kohlenstoffdioxid ausgestoßen, für die gleiche Menge Rindfleisch sind es 1330 Gramm.

"Mich hat schon überrascht, dass gerade Rindfleisch so viele CO2-Emissionen verursacht", sagt Frank Grossberger. Im Warenkorb des 42-Jährigen liegt auch noch ein Smartphone. Für ein Exemplar mit großem Display werden demnach bis zu 110 Kilogramm CO2 verbraucht.

Die Ausstellung gibt den Besuchern auch Tipps, wie sie ihren eigenen CO2-Verbrauch reduzieren können. Denn im Durchschnitt stößt jeder Deutsche pro Jahr 9,7 Tonnen Kohlendioxid aus. Im weltweiten Mittel sind es nach Berechnungen des Forschungsverbunds Global Carbon Project rund fünf Tonnen pro Kopf. Die Ausstellungsmacher empfehlen deshalb, etwa kurze Strecken zu Fuß zu gehen oder Obst und Gemüse regional einzukaufen.

Für Tobias Günther ist das bereits Alltag. "Wir bewirtschaften einen großen Garten und sind im Hinblick auf die Lebensmittel fast Selbstversorger", sagt er. Der 31-Jährige hat die Ausstellung mit seinem zweijährigen Sohn und seiner Frau besucht. Unterwegs waren sie aber mit ihrem Auto. "Wir wohnen in einem Stadtteil von Sinsheim und hätten zwei Stunden mit dem Bus gebraucht. Meines Erachtens ist es unumgänglich, auch den Nahverkehr auszubauen."

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