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Säuglingsmisshandlung

Säuglingsmisshandlung: Haftstrafen für Eltern aus Ludwigshafen

Archivartikel

Frankenthal.

Im Prozess um die schwere Misshandlung eines Säuglings hat das Frankenthaler Landgericht die Eltern aus Ludwigshafen zu einer Haftstrafe von je drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Damit blieb das Strafmaß vor allem bei der Mutter weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Beide wurden nämlich nur wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassung verurteilt.

In seiner Urteilsbegründung führte der Vorsitzende Richter Uwe Gau aus, dass beide Angeklagten nicht wegen eines aktiven Tuns hätten verurteilt werden können. So seien die Verletzungen wie die Brüche an Schädel, Schienbeinen und Rippen des Babys keinem der Elternteile zuzuordnen gewesen. Und auch für die schweren Verletzungen im Rektal- und Genitalbereich gebe es keine eindeutigen Beweise gegen Mutter oder Vater. In beiden Fällen gebe es jeweils Indizien gegen den einen oder anderen, gleichzeitig jedoch auch erheblich Zweifel, ob es nicht doch der andere gewesen sein könnte. „Und wenn die Zweifel so groß sind, dass sie uns ein schlechtes Gefühl geben, dann können wir zu keinem klaren Ergebnis kommen“, so Gau. Ein gemeinschaftliches Handeln der Eltern schloss die Kammer indes aus.

Beide, sowohl Mutter als auch Vater, hätten jedoch den schlechten Zustand des Kindes wahrnehmen und weitere Misshandlungen durch den jeweils anderen verhindern müssen, so die Überzeugung der Richter. Deshalb hätten sich beide der Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassung schuldig gemacht.

Anklagevertreterin Esther Bechert hatte am Mittwoch vor dem Frankenthaler Landgericht auf acht Jahre Haft für die Mutter plädiert, der Vater sollte für vier Jahre hinter Gitter. Für die Staatsanwaltschaft gilt als erwiesen, dass die Angeklagte ihrem damals sieben Wochen alten Sohn im Oktober 2018 in Ludwigshafen mit einem Fieberthermometer innere Verletzungen zugefügt habe, die zu einer lebensbedrohlichen Entzündung führten. Dies habe sie getan, um sich sexuelle Erregung zu verschaffen. Der Vater habe – ebenfalls aus sexuellen Motiven – den Penis des Babys verletzt. Die beiden Verteidiger sahen die Vorwürfe gegen ihre Mandanten dagegen nicht als erwiesen an. Mangels Beweisen hatten sie am Mittwoch Freisprüche für die Angeklagten gefordert.

Der Verteidiger des Vaters kündigte Revision an, Staatsanwaltschaft und Anwalt der Mutter wollen eine Revision prüfen. 

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