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Schlachthof Tauberbischofsheim nach Vorwürfen vorerst geschlossen

Tauberbischofsheim.Nach Vorwürfen der Tierquälerei haben Beauftragte der Staatsanwaltschaft einen Schlachthof in Tauberbischofsheim nach Beweismitteln durchsucht. Es gehe unter anderem um Geschäftsunterlagen und Videomaterial, sagte ein Sprecher am Donnerstag in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis). Der Betrieb gehört zur Firma OSI mit Europa-Sitz in Gersthofen bei Augsburg, einem Lieferanten der Fast-Food-Kette McDonald's. Er soll Aktivisten zufolge gegen den Tierschutz verstoßen haben. Nach Sichtung von TV-Aufnahmen hatten die Behörden die Schließung des Hofs verfügt.

Das Unternehmen bleibt nach Angaben des Landes bis auf Weiteres dicht. Mehrere Polizeiautos sicherten am Donnerstag das Areal. Durch Recherchen des Fernseh-Magazins "Stern TV" habe das Land von dem Fall erfahren, hieß es beim Agrarministerium in Stuttgart. Auf mit versteckten Kameras gedrehten Bildern soll etwa zu sehen sein, dass sich Rinder beim Einstich in den Hals und beim Ausbluten bewegen - was ein Hinweis darauf sei, dass sie nicht richtig betäubt seien.

Der Betrieb muss dem Ministerium zufolge ein Konzept vorlegen, wie die Mängel, die zu den massiven Tierschutzverstößen geführt haben, behoben werden können. "Solange dieses Konzept nicht vorliegt und die Auflagen, die der Schlachthof darüber hinaus erhält, nicht umgesetzt sind, bleibt der Betrieb geschlossen", sagte eine Sprecherin.

McDonald's und auch Tierrechtsaktivisten haben nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen Verantwortliche gestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auf dem Hof werden laut Landratsamt täglich 200 Rinder geschlachtet.

Das Handelsunternehmen Kaufland hat seine Geschäftsbeziehung mit der Firma OSI wegen der Vorwürfe gestoppt, wie die "Heilbronner Stimme" (Freitag) berichtete. "Wir werden die Haltungsbedingungen in diesem und allen anderen Schlachthöfen von OSI intensiv prüfen und über die weitere Zusammenarbeit entscheiden", sagte ein Sprecher dem Blatt.

Die Organisation "Soko Tierschutz" (Augsburg) bezeichnete die Schließung als "erwartbaren Vorgang". Bei dieser Maßnahme dürfe es nicht bleiben, sagte der Vorsitzende Friedrich Mülln. "Wir erwarten von den Behörden, dass sie hart durchgreifen", betonte er. Mülln erhob auch gegen Veterinäre schwere Vorwürfe. Es gebe Hinweise, dass die amtlichen Prüfer bei Verstößen nicht eingegriffen hätten.

Tauberbischofsheim sei kein Einzelfall, sagte Mülln. Er sprach von "potenziell mafiösen Schlachtstrukturen" in Deutschland. "Da kann wohl nur der Konsument etwas ändern. Die einzige Sprache, die verstanden wird, ist der Profit", sagte der "Soko Tierschutz"-Chef.

Dem Agrarministerium zufolge soll es "eine akribische Aufarbeitung" der Situation geben. Dabei würden auch mögliche Verfehlungen von Amtsträgern geprüft. "Sollten diese vorliegen, wird in aller Härte durchgegriffen und disziplinarische Maßnahmen werden eingeleitet."

Die SPD-Opposition im Stuttgarter Landtag kritisierte, dass die Behörden erst durch Medien und Aktivisten von dem Fall erfahren hätten. "Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass die staatliche Kontrolle beim Tierschutz auf Schlachthöfen nicht funktioniert, da es schlichtweg zu wenig Personal für diese wichtige Aufgabe gibt", sagte Reinhold Gall, der agrarpolitische Sprecher der SPD-Fraktion. (dpa/lsw)

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