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Justiz Im Neuhofener Mordprozess schildern Polizeibeamte ihre Eindrücke vom Tatort / 69-Jähriger soll Ehefrau getötet haben

„Schuss hatte Hinrichtungscharakter“

Archivartikel

Frankenthal.In sich zusammengesunken sitzt der Angeklagte im Neuhofener Mordprozess zwischen seinen Verteidigern. Sein unruhiger Blick scheint sich an Akten festhalten zu wollen, als Polizeibeamte vor dem Landgericht Frankenthal ihre Eindrücke vom Tatort schildern. Vieles was dabei zur Sprache kommt, ist dem hageren Mann im übergroßen Sakko sichtlich unangenehm. Als die Verfahrensbeteiligten Polizeifotos betrachten, wendet er sich mit Tränen in den Augen ab und flüstert seiner Anwältin zu: „Ich kann diese Bilder nicht sehen.“

Da die Polizei bei der Durchsuchung Schlagring-Schablonen, Munition, ein Stichwerkzeug und „Gremium“-Symbole findet, ordnet sie ihn der Rockerszene zu. „Überall pappten Zettel mit Telefonnummern und Namen, die haben wir fotografiert, weil sie für Ermittlungen in dieser Szene wichtig sein können. Mit dem Tötungsdelikt hat das aber nichts zu tun“, sagt ein Kommissar.

Bei der Vernehmung sei der Angeklagte aufgewühlt und leicht weinerlich gewesen. Der Neuhofener habe erzählt, dass er auf seine Frau geschossen hat und eigentlich auch sich selbst töten wollte. Doch dann habe ihn der Mut verlassen. „Er hat von einem heftigen Streit gesprochen, und davon, dass er die beiden Schusswaffen aus dem Flur geholt hat“, so der Beamte. Allerdings habe man bei der Durchsuchung drei Waffenkoffer aus Aluminium in der Garage entdeckt – „zwei waren leer“. Das lege keine Affekttat nahe.

Für den Ermittlungsleiter sprechen die Spuren eine klare Sprache: „Die Verteilung der Blutspritzer zeigt, dass die Frau in einem Sessel saß, als auf sie geschossen wurde. Die erste Kugel war nicht tödlich, sondern hat eine Fleischwunde verursacht. Aber der zweite Schuss in den Hinterkopf hatte Hinrichtungscharakter.“ So habe man Blut des Opfers an der Mündung der Waffe gefunden.

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