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Walldorf Polizei und Veterinäramt nehmen mit den Stuttgarter Ministern Hauk und Strobl Tiertransporte unter die Lupe

Schweinen wird im Stau übel

Archivartikel

Walldorf.Ein grüner Schweinetransporter rollt auf den Hof der Autobahnmeisterei Walldorf. Zwischen den Gitterstäben der Lüftungsfenster rüsseln rosafarbene Steckdosennäschen heraus. Während zwei Polizeibeamte und ein Tierarzt den Fahrer um seine Papiere bitten, dringt ein leises Quieken aus dem Laderaum. „Die sind ein bisschen aufgeregt, weil der Laster angehalten hat“, erklärt Veterinärmediziner Ulrich Eberhardt vom Rhein-Neckar-Kreis.

Im Kampf gegen Verstöße bei Tiertransporten nehmen das Verkehrskommissariat Walldorf und der Rhein-Neckar-Kreis mit Schwerpunktkontrollen gezielt Sattelzüge mit lebendiger Fracht ins Visier.

Zum Auftakt haben sich gestern der Stuttgarter Innenminister Thomas Strobl und Agarminister Peter Hauk (beide CDU) vor Ort ein Bild gemacht. „Wir haben ein Herz für Tiere und einen scharfen Blick darauf, dass sie nicht aus finanziellen Interessen stundenlang in engen Lastwagen ausharren müssen, sich beim Transport verletzen oder gar sterben“, macht Strobl deutlich.

Gewinne abgeschöpft

Allein 2017 habe die Polizei in Baden-Württemberg 138 Verstöße registriert, 50 weitere bei Schwerpunktaktionen wie in Walldorf. Neben den verhängten Bußgeldern gegen die Fahrer schöpfe das Land die mit den beanstandeten Touren erzielten Erlöse ab: „Das trifft die Unternehmen finanziell hart, denn Verstöße gegen den Tierschutz dürfen sich nicht lohnen“, betont Strobl.

Ein Blick ins Transport- und Desinfektionsbuch verrät Eberhardt derweil, wann und wo der Fahrer die 126 Ferkel geladen hat und wohin sie transportiert werden sollen. „Anhand dieser Eintragungen kann ich schon ungefähr einschätzen, inwieweit er die Vorschriften einhält und wo etwas nicht passen kann“, erklärt der Amtstierarzt. „Das hier ist absolut in Ordnung. Er hat heute Morgen um sechs Uhr in Schwäbisch Hall geladen. Und die als Nutztiere deklarierten Ferkel gehen nach Koblenz in einen Aufzuchtbetrieb“, ist der Experte vorerst zufrieden.

Dann geht er um den Laster herum und schaut durch die Öffnungen an den Seiten auf die Ladefläche, um sich einen Überblick über die Gesundheit der Tiere, die Enge und die hygienischen Zustände zu verschaffen. „Wir können die Tiere ja nicht alle abladen – das tun wir nur, wenn Mängel festgestellt werden.“ Bisweilen seien die Laster gewichtsmäßig überladen, die Tränken defekt oder es tummelten sich zu viele Säue auf der Ladefläche. Manchmal fehle die Einstreu oder Tiere seien verletzt. Dann hält der Amtstierarzt ein Messgerät ins Innere des Frachtraums, um die Temperatur zu kontrollieren. „2015 haben wir einen Transporter aus Calais mit defekter Kühlanlage gestoppt, der im Sommer mit Schweinen nach Tschechien unterwegs war, da herrschten 50 Grad“, nennt er einen Verstoß.

Rund um das Walldorfer Kreuz halten Vertreter des Veterinäramtes und Polizisten in acht gemischten Teams Ausschau nach verdächtigen Transportern. „Für mich sind solche Kontrollen in Ordnung. Wir machen ja nichts Schlimmes, sondern transportieren unsere Tiere ordentlich“, sagt Lkw-Fahrer Eric Scherer, der mit seinem Sattelzug 61 Schweine aus dem Odenwald zum Schlachthof nach Crailsheim bringt.

„Wir überprüfen seit 20 Jahren Tiertransporte, schließlich ziehen sich mit der A 5 und der A 6 auf 150 Kilometern zwei Hauptverkehrsachsen durch den Rhein-Neckar-Kreis“, erzählt Ordnungsdezernent Christoph Schauder. Die Beanstandungen seien in dieser Zeit weniger geworden. Dennoch sei es ein Problem, dass die Schlachthoflandschaft weiter ausgedünnt werde und viele Baustellen für Staus sorgten.

Fahrten unverzichtbar

Das sieht Veterinäramtsleiter Lutz Michael genauso: „In einer Gesellschaft, die tierische Produkte konsumiert, sind solche Transporte unverzichtbar. Aber wir müssen sie für die Tiere so angenehm wie möglich gestalten.“ Deshalb wünscht er sich eine Begrenzung der erlaubten Fahrzeit auf acht bis zwölf Stunden. Für Schweine, Schafe und Rinder seien derzeit 29 Stunden – zweimal 14 mit einer Stunde Pause – erlaubt. „Das ist viel zu lang. Die Tränke läuft ja nur während der Pause, und wenn sich ein Tier im oberen Stock auf der Reise verletzt, kann man es nicht versorgen“, erklärt Michael.

Der Laster mit den Ferkeln rollt langsam Richtung Autobahn davon. „Für die Tiere wird es jetzt wieder entspannter, denn auf Langstrecken mit wenig Lastwechseln ruhen sich die Schweine aus. Stressig sind nur Staus mit vielen Stopps und Geschwanke, da wird ihnen – wie vielen Menschen auch – einfach übel.“

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