Metropolregion

Kultur Stadt plant für 2021 Sonderausstellung zu Luthers Rede im Wormser Reichstag vor knapp 500 Jahren / 1,5 Millionen Euro Kosten

"So wichtig wie Thesenanschlag"

Worms."Hier stehe ich, ich kann nicht anders." Obwohl Martin Luther diese Worte so wahrscheinlich nie gesagt hat, stellen sie seinen Kampf für die Gewissensfreiheit treffend dar. Was damals im Jahr 1521 im Wormser Reichstag geschah, entfaltet auch knapp 500 Jahre später noch seine Wirkung. Das Aufeinandertreffen des Reformators und des 21 Jahre jungen Kaisers Karl V., bei dem Luther seine Thesen verteidigte, soll der Aufhänger für eine Sonderausstellung in Worms mit dem Arbeitstitel "Freiheit, Gewissen, Toleranz - der Wormser Reichstag 1521" im Jahr 2021 werden.

Bereits zum zweiten Mal traf sich deshalb ein wissenschaftlicher Beirat, der die Sonderausstellung konzipiert. Ihm gehören mehrere bekannte Geschichtsprofessoren verschiedener Universitäten sowie Verantwortliche aus der Stadt an. Schwerpunkte der Ausstellung im Museum der Stadt Worms sollen Gewissen, Freiheit, Humanismus und Toleranz sein. Dabei möchte die Ausstellung regionale Bezüge zur Wormser Geschichte sowie globale Zusammenhänge aufzeigen. "Die Folgen und Wirkungen der Reformationen wurden bisher kaum öffentlich behandelt. Die Wirkung der Reformation geht nicht vom Ereignis selbst aus, sondern von der Mythenbildung um sie herum", erläutert Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek (CDU).

Zentrum im Andreasstift

Der Kirchenraum des Andreasstifts am Weckerlingplatz 7 soll Zentrum der Ausstellung im Jahr 2021 werden. "Wir werden mit Zwischenwänden Räume erstellen und auch Kurzfilme zeigen. Wir möchten zeigen, dass damals viele Fäden der Geschichte in Worms zusammenliefen", sagt Thomas Kaufmann, Sprecher des wissenschaftlichen Beirats. Sein Wunsch sei es, alle Schriften Martin Luthers aus dem Jahre 1521 und das Bekenntnis von Karl V. auszustellen.

"Wir wollen den Sachverhalt des 16. Jahrhunderts in Beziehung zur Gegenwart stellen. Zum Beispiel im Rahmen der Gewissensfrage die Kriegsdienstverweigerung thematisieren", erklärt der Professor für Reformationsgeschichte an der Universität Göttingen. Luther berief sich 1521 auf sein Gewissen, als er sich weigerte, seine vom Glauben der Katholischen Kirche abweichenden Schriften zu widerrufen. "Mit der Frage, wo ist die Grenze der Freiheit und insbesondere der Gewissensfreiheit, ist diese Ausstellung auch für jüngere Besucher und Menschen aus anderen Konfessionen interessant", fügt Historikerin Katharina Kunter vom wissenschaftlichen Beirat hinzu.

Die Sonderausstellung soll insgesamt 1,5 Millionen Euro kosten. "Wir haben das Finanzierungskonzept schon beschlossen. Außerdem habe ich die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, um Fördermittel gebeten und werde auch mit der neuen Bundesregierung sprechen", sagt Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD). Die Stadt sei auch im Gespräch mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. "Es geht sowohl um eine inhaltliche Kooperation als auch um eine finanzielle Beteiligung durch die Evangelische Kirche", sagt Volker Gallé, Kulturkoordinator der Stadt.

Nach Angaben des Oberbürgermeisters gibt es nach wie vor ein großes öffentliches Interesse an der Reformation und an Martin Luther. So sollen im vergangenen Jahr 60 Führungen zu seiner Person in Worms angeboten worden sein - 2017 seien es dagegen bisher bereits 500 Führungen gewesen. Kissel ist überzeugt: "Der Wormser Reichstag ist mindestens genauso wichtig für die Reformation wie der Thesenanschlag Luthers."