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Porträt SPD-Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß ist mit Alltagsrassismus aufgewachsen / Im Zug mit der Familie aus der 1. Klasse geworfen

SPD-Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß ist mit Alltagsrassismus aufgewachsen

Archivartikel

Rhein-Neckar.

Als der rheinland-pfälzische Landtag kürzlich diskutierte, ob das Wort „Rasse“ in der Landesverfassung noch zeitgemäß sei oder ersetzt werden sollte, ging auch die SPD-Politikerin Giorgina Kazungu-Haß ans Rednerpult. „In diesem Raum sitzen 101 Abgeordnete“, begann sie ihren Beitrag. „Davon sind 100 nicht von Rassismus betroffene Menschen und eine von Rassismus betroffene Person. Und das bin ich.“ Die gebürtige Koblenzerin ist die erste schwarze Landtagsabgeordnete seit der Gründung des Bundeslandes. Wer in Deutschland lebe und nicht weiß sei oder „nicht deutsch“ aussehe, mache regelmäßig Erfahrungen mit Rassismus, berichtet die 42-Jährige. Das reiche von „Positivzuschreibungen, die einem nichts nutzen“ bis zu übergriffigem Verhalten.

Als Mädchen erlebte sie, wie ihre deutsche Mutter beschimpft wurde, wenn sie mit ihrem kenianischen Vater durch die Stadt ging. Deshalb habe sie sich als Kind nie in die Sonne getraut – aus Angst, ihre Haut könnte noch dunkler werden. Es gebe in Deutschland „keine nichtweiße Person, die das nicht erzählen kann“, stellt sie klar. Sich selbst identifiziert Kazungu-Haß als Rheinland-Pfälzerin und als Deutsche.

Zur SPD ging sie einst, weil ihr Vater von Helmut Schmidt schwärmte. In Kenia war sie in ihrem Leben bislang gerade einmal drei Wochen, aber viele Deutsche wollten das gar nicht akzeptieren. So komme es immer wieder zu grotesken Situationen, wenn sie in einem Gespräch erwähne, dass sie Germanistik und evangelische Theologie studiert habe. 2018 sorgte ein Vorfall für einigen Wirbel, als ein Zugbegleiter die Abgeordnete und ihre Familie aus der 1. Klasse werfen wollte, ohne überhaupt nach den Fahrkarten zu fragen. Nicht das Verhalten des Schaffners sei das Problem, sondern die Denkweise, die dahinter stehe: „Und das ist der Gedanke, dass Menschen, die anders aussehen, nicht erste Klasse sind.“ 

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