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Speyerer Altbischof Schlembach gestorben

Archivartikel

Speyer.Eine „Kultur der Liebe“ hatte er angemahnt. Noch zu seinem 85. Geburtstag warnte er, dass die Grundwerte und Humanität einer Gesellschaft dort gefährdet seien, wo es keinen Gottesglauben gebe. Am Montagabend ist der frühere Bischof von Speyer, Anton Schlembach, im Alter von 88 Jahren gestorben. Noch am Montagmorgen hatte das Bistum die Gläubigen dazu aufgefordert, für den Altbischof zu beten. Der Geistliche hatte sich seit Sonntag „in einem besonders kritischen Zustand“ befunden.

„Er war mit Leib und Seele Bischof von Speyer“, würdigte sein Nachfolger, der amtierende Bischof Karl-Heinz Wiesemann, den „außerordentlichen Einsatz“ für das Bistum und die katholische Kirche am Abend. Schlembachs bischöflicher Wahlspruch „Deus Salus – Gott ist das Heil“ bleibe den Gläubigen im Bistum Vermächtnis und Verpflichtung, so Wiesemann.

Studium an päpstlicher Universität

Anton Schlembach stand fast ein Vierteljahrhundert an der Spitze des Bistums: von 1983 bis 2007. Nur einer seiner Vorgänger war in den vergangenen 100 Jahren länger Bischof von Speyer, nämlich Ludwig Sebastian (1917 – 1943). Geboren 1932 als ältestes von vier Kindern einer Landwirtsfamilie im fränkischen Großwenkheim, studierte er in Würzburg und Rom an der Päpstlichen Universität Gregoriana, wurde 1956 in Rom zum Priester geweiht. Schlembach promovierte zum Doktor der Theologie über den Dogmatiker Joseph Matthias Scheeben. Im Bistum Würzburg war er mit zahlreichen Aufgaben betraut: Er war Direktor des Aschaffenburger Studienseminars, Regens des Würzburger Priesterseminars, Religionslehrer und ab 1981 Domkapitular sowie Generalvikar des Bistums Speyer.

Am 25. August 1983 ernannte Papst Johannes Paul II. den 51-jährigen Schlembach zum Bischof von Speyer. Im Oktober 1983 wurde er von seinem Vorgänger in Speyer und damals neuen Münchener Erzbischof Friedrich Wetter im Speyerer Dom zum Bischof geweiht.

Unzählige Initiativen und Aktivitäten startete der neue Bischof von Speyer, bemühte sich um eine Aktivierung der Gemeinden und die Erneuerung des Glaubens: Zum ökumenischen „Christ-Fest“ an Pfingsten, zu dem er die Initiative gegeben hatte, versammelten sich 15 000 Christen aus zwölf Kirchen und Gemeinschaften in Speyer.

Gastgeber für Johannes Paul II.

Im Blick hatte der Bischof vor allem auch moderne Vorbilder des Glaubens. So engagierte er sich besonders, das Wirken von Edith Stein lebendig zu halten, die neun Jahre auch in Speyer wirkte. Ihre Seligsprechung 1987 war ihm Anlass, Papst Johannes Paul II. nach Speyer einzuladen. Dieser folgte tatsächlich der Einladung und feierte 1987 auf dem Domplatz mit 60 000 Teilnehmern eine Heilige Messe. Für die Stadt und das Bistum war dies ein „Jahrtausendereignis“.

Auch vielen Staatsgästen, die der Einladung von Bundeskanzler Helmut Kohl gefolgt waren, zeigte Schlembach sehr gerne den Speyerer Dom. Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, George Bush, Václav Havel und König Juan Carlos von Spanien sind nur eine Auswahl prominenter Staatsmänner, die er begrüßte.

Sein Verdienst ist auch die Seligsprechung des ersten Pfälzers, des Pfarrers Paul Josef Nardini, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Pirmasens für den Glauben und gegen die soziale Not in der Pfalz gekämpft hatte.

Schlembach war einer der ersten Bischöfe in Deutschland, die im Oktober 1999 den Ausstieg aus der staatlichen Schwangerenkonfliktberatung vollzogen. Um jedoch ein Beratungsangebot für Schwangere in Not anzubieten, gründete er die Bischöfliche Stiftung für Mutter und Kind. Diese finanziert unter anderem Projekte des Caritasverbandes für Mütter in Not.

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