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Fußball Gewaltausbruch bei Halbfinalpartie des TuS Rüssingen gegen Alemannia Waldalgesheim / Verband leitet Sportgerichtsverfahren ein

Spieler schlägt Schiedsrichter zu Boden

Archivartikel

Rüssingen.Erneut hat es in einem Amateur-Fußballspiel einen Angriff auf einen Schiedsrichter gegeben. Im Pokalhalbfinale des Südwestdeutschen Fußballverbands (SWFV) des TuS Rüssingen gegen Alemannia Waldalgesheim am Mittwochabend hat ein Spieler der Heimmannschaft nach einer Roten Karte für ein Revanchefoul einem Linienrichter ins Gesicht geschlagen. Dieser ging zu Boden. Der Schiedsrichter brach das Spiel nach 38 Minuten ab.

Der Verband hat daraufhin am Donnerstag ein Sportgerichtsverfahren eingeleitet. „Der Südwestdeutsche Fußballverband verurteilt diesen Vorfall auf das Schärfste und wird alle ihm zur Verfügung stehenden sportrechtlichen Mittel ergreifen“, hieß es dazu in einer Stellungnahme.

Auch beim TuS Rüssingen sind die Verantwortlichen entsetzt. So etwas hatte es in dem Verein, der in den vergangenen Jahren oft positive Schlagzeilen wegen der regelmäßigen Einsätze von Ex-Fußballprofi Mario Basler gemacht hatte, bisher nicht gegeben.

„Wir sind sprachlos. Es wird lange dauern, bis wir das verarbeitet haben“, sagt Abteilungsleiter Dirk Dedores im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Verein distanziere sich in aller Deutlichkeit von jeglicher Gewalt auf dem Sportplatz. Als erste Konsequenz habe der Verein den 21-jährigen Spieler suspendiert. „Er wird nie mehr für den TuS Rüssingen spielen“, kündigt Dedores an.

Bislang hatte es gewaltsame Übergriffe stets in den unteren Spielklassen gegeben, bis Mittwochabend auch nicht im Bereich des Südwestdeutschen Fußballverbandes. Er habe sich auch nicht vorstellen können, dass dies in einem Halbfinale des Verbandspokals geschehe, aus den Reihen einer Verbandsliga-Mannschaft. Nachdem der Schiedsrichter dem 21-Jährigen die Rote Karte gezeigt habe, sei der Spieler zunächst vom Spielfeld gegangen, dann plötzlich zielstrebig in Richtung des Rudels um die Schiedsrichter auf den Platz gestürmt und habe dem Linienrichter mit der Faust ins Gesicht geschlagen. „Was ihn dazu veranlasst hat, weiß ich nicht“, sagt Dedores fassungslos. Der Abteilungsleiter habe die Schiedsrichter nach dem Spielabbruch zu den Kabinen begleitet. Dabei habe der Spieler noch versucht, sich bei den Unparteiischen zu entschuldigen, was diese jedoch abgelehnt hätten.

Trainer gibt Schiris Mitschuld

Für einen Entrüstungssturm in den Sozialen Netzwerken hatte auch Trainer Akgün Yalcin mit einer Aussage direkt nach dem Spiel gesorgt. Der hatte den Schiedsrichtern quasi eine Mitschuld an der Eskalation gegeben, da die zuvor gegebenen Karten seiner Meinung nach „überzogen“ gewesen seien. „Er hat wohl nicht darüber nachgedacht, was er da gesagt hat“, so Dedores. Das eine habe mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Eine schlechte oder auch falsche Schiedsrichterleistung rechtfertige keinerlei Tätlichkeiten den Unparteiischen gegenüber.

Der TuS Rüssingen hat nun das für Samstag geplante Spiel gegen Meisenheim mit Rücksprache des Verbandes ins kommende Jahr verlegen lassen, um Ruhe in Mannschaft und Verein zu bringen. Am Wochenende werde auch der Vorstand in einer Sitzung besprechen, welche Konsequenzen dieser Gewaltausbruch haben soll. Übergriffe gegen Unparteiische hatten zuletzt den Amateurfußball bewegt. In Berlin gab es einen Schiedsrichter-Streik, zudem sorgte der Fall eines bewusstlos geschlagenen Referees in Südhessen bundesweit für Schlagzeilen. (mit sal)

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