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Staatsanwaltschaft gibt medizinisches Gutachten in Auftrag

Archivartikel

Kandel/Ludwigshafen.Die Staatsanwaltschaft Landau wird nach der Bluttat in Kandel ein medizinisches Gutachten zur Bestimmung des Alters des Beschuldigten in Auftrag geben. Das teilte sie am Mittwoch mit. Bislang lägen keine hinreichend gesicherten Erkenntnisse zu seinem tatsächlichen Alter vor. Nach eigenen Angaben war der Asylsuchende aus Afghanistan bei seiner Einreise nach Deutschland im Frühjahr 2016 nicht im Besitz von Ausweispapieren. Er hatte sein Geburtsdatum der Mitteilung zufolge mit 1.1.2002 angegeben.

Eine Woche nach der Tat in einem Drogeriemarkt haben Staatsanwaltschaft und Polizei gemeinsam weitere Informationen zum mutmaßlichen Täter herausgegeben: Demnach wurde sein Asylantrag im Februar 2017 abgelehnt. Wie die Polizei auf Nachfrage bestätigte, wurde der Afghane  jedoch nicht abgeschoben, weil er angegeben hatte, minderjährig zu sein. 

Die Obduktion der Leiche des Opfers ergab, dass die 15-Jährige durch mehrere Messerstiche verletzt wurde und ein Stich im Bereich des Herzens tödlich war. Ermittlungen zu Motiv, Hintergründen sowie dem konkreten Tatgeschehen dauern an. Die Polizei wertet unter anderem Unterlagen und zwei Mobiltelefone aus, die sie in der Wohngemeinschaft des Verdächtigen beschlagnahmt hat. Der Beschuldigte, der sich in Untersuchungshaft befindet, macht weiterhin von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Polizei widerspricht Kreisverwaltung

Darüber hinaus geht der Streit um den Austausch von Informationen zwischen den Behörden weiter. Am Dienstagabend hatte die Kreisverwaltung Germersheim dieser Zeitung auf Anfrage bestätigt, dass sie von der Polizei über Anzeigen gegen den mutmaßlichen Täter informiert wurde. Von einer „direkten Bedrohung des Mädchens“ sei dabei aber nicht die Rede gewesen (wir berichteten). Die Jugendliche selbst hatte am 15. Dezember Anzeige gegen ihren ehemaligen Freund erstattet: wegen Beleidigung, Nötigung und Bedrohung. Zwei Tage später zeigte auch ihr Vater den Jugendlichen an, wie das Polizeipräsidium erklärte. „Zu keiner Zeit“ habe es Indizien dafür gegeben, dass „Leib oder Leben des Mädchens“ in Gefahr gewesen seien, teilte die Kreisverwaltung am Dienstag auf eine Anfrage per Pressemitteilung mit.

Ebenfalls in einer Pressemitteilung bekräftigte die Polizei am Mittwoch nun erneut, "dass die beteiligten Stellen umfassend über die ihr vorliegenden Erkenntnisse und Maßnahmen informiert wurden". Weiter heißt es: „Der Sachbearbeiter hat dem Vormund mitgeteilt, dass der Beschuldigte ehrverletzende Bilder des Mädchens anderen öffentlich zugänglich machte, dem Mädchen drohte, sie am Bahnhof Kandel ,abzupassen' und dass sie in Zukunft ,aufpassen' müsse“, heißt es in der Meldung der Polizei. Auch über die Schulhofschlägerei, in deren Folge der Verdächtige ebenfalls angezeigt worden war, habe der Sachbearbeiter den Vormund informiert. 

Der Beschuldigte sei zudem in Begleitung von zwei Betreuerinnen, die in der Wohngruppe in Neustadt für ihn zuständig sind, belehrt worden. Den Angaben der Polizei zufolge wurde ihm dabei vorgehalten, dass er in sozialen Netzwerken Bilder der Geschädigten anderen zugänglich gemacht, sie beleidigt und ihr gedroht habe, sie abzupassen. Sein Handy sei sichergestellt worden.

Das Mädchen war vergangene Woche in einem Drogeriemarkt im pfälzischen Kandel erstochen worden. Nach bisherigen Erkenntnissen war der mutmaßliche Täter, ein afghanischer Asylsuchender, der Ex-Freund der 15-Jährigen.

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