Metropolregion

Brauchtum Im südpfälzischen Eschbach schmücken bunte Esel-Plastiken Straßen und Plätze / Symbol für den Spitznamen der Bürger

Tierische Botschafter des Weindorfs

Eschbach/Pfalz.Mit langen bunten Wollschals werden in den nächsten Wochen im südpfälzischen Weindorf Eschbach wieder 38 Esel „eingekleidet“, damit sie die kalten Temperaturen in den Wintermonaten unbeschadet überstehen. Denn die Esel werden diese Zeit allesamt bei Wind und Wetter im Freien verbringen – die meisten stehen schon seit rund 14 Jahren an Straßen und auf Plätzen, auf Mauern und in Gärten – als lebensgroße künstlerisch gestaltete Figuren.

Die vermeintlichen „Grautiere“ sind bunte und fröhliche Farbtupfer in der 650-Einwohner-Gemeinde und symbolisieren den Spitzennamen der Eschbacher: Das kleine Winzerdorf war einst Eigentum der adligen Besitzer der oberhalb gelegenen Madenburg, die im 15. Jahrhundert der Ritter- und Turniergesellschaft derer „mit dem Esel“ angehörte. Sie pflegte fromme Lebensformen und christliche Tugendideale und trotz ihres anrüchigen Namens vor allem ritterlich-höfische Sitten.

Gesellschaftszeichen war der Esel, der bildlich ihre Kleidung schmückte und – wie aus dem sogenannten Ingeram-Codex hervorgeht – wohl auch als Medaille an einer silbernen Halskette getragen wurde. Die Bauern und Handwerker in dem Dorf unterhalb der Madenburg waren Untertanen der „Eselsritter“ und erhielten von den Bewohnern der benachbarten Dörfer den Spitznamen „Esel“ – bis in unsere Tage. Die Eschbacher nahmen’s mit Humor, obwohl der Esel in späteren Jahren sicherlich des Öfteren auch als Schimpfwort herhalten musste.

Christa Steinmüller, die Ehefrau des damaligen Ortsbürgermeisters, setzte im Jahr 2004, als die Gemeinde ihren 750. Geburtstag feierte, noch einen drauf: Sie animierte die Dörfler zu einer ungewöhnlichen „Eselei“ – mit dem Erfolg, dass mittlerweile 38 Esel aus Kunststoff in Lebensgröße das Dorfbild schmücken. Mit viel Witz wurden die Esel von ihren Stiftern mit oft kuriosen Namen, vor allem aber mit weithin sichtbarer bunter Farbe ausgestattet.

„Kunstvoll und spritzig, frech und edel“ kommen nach dem Verständnis der Eschbacher ihre 38 Esel nun daher und stehen folgerichtig „für die lebensfrohe Seite des Dorfes“. Das drücken auch schon ihre fantasievollen Namen aus. Der „Zebresel“ ist eine sprachliche Kreuzung mit einem schwarz-weißen Zebra, „Thea-Tralica“ wurde von der Theatergruppe des Dorfes so getauft, „Vinolino“ ist mit einem Weingut verbunden und „Turbo“ mit dem örtlichen Motorsport-Club.

„Anfassen und streicheln“

Die Eschbacher Esel gelten in der Südpfalz längst als sympathische Botschafter der kleinen Weinbaugemeinde. Initiatorin Christa Steinmüller: „Die Esel animieren zum Anfassen und zum Streicheln und sie strahlen voller Optimismus.“ Die Stifter der 38 Eschbacher Esel ließen sich die ungewöhnliche Aktion etwas kosten: Ohne Gestaltung kostet ein Esel immerhin etwa 800 Euro. Durch die Hand professioneller Künstler bekam jeder Esel seine eigene Geschichte – und keiner sieht aus wie der andere. rs