Metropolregion

Metropolregion Verein Kurpfalz feiert zu seinem 70. Geburtstag das Lebensgefühl der Region / Arnim Töpel setzt Mundart-Akzente

„Uffbasse, do is en Kurpälzer“

Rhein-Neckar.Die Forderung aus der Gründerzeit des Vereins Kurpfalz könnte nicht aktueller sein: „Der Rhein darf keine Grenze sein!“ Doch während heute vor allem der Verkehr die Region zu entzweien droht, war es 1949 der Kampf um die politische Einheit im Drei-Länder-Eck. Immerhin: Die Idee der geeinten Kurpfalz mündete in eine kommunale Arbeitsgemeinschaft, später den Raumordnungsverband und schließlich die Metropolregion. Grund genug für den Verein, zu seinem 70. Geburtstag die Identität der Region in den Mittelpunkt zu stellen. Stefany Goschmann, Chefin des Mannheimer Maimarktes, bringt die Begrifflichkeiten in einer kurzweilig-unterhaltsamen Veranstaltung auf den Punkt: „Metropolregion“ ist für den Kopf, „Kurpfalz“ fürs Herz.

Unter der augenzwinkernden Gesprächsleitung von Ex-Kurpfalzradio-Chef Gerhard Mandel singen prominente Kurpfälzer das Hohelied auf die Heimat zwischen Rhein und Neckar. Herzlich, offen und aufgeschlossen seien die Menschen in der Region, weiß Goschmann. Das kenne man von anderen Messe-Standorten durchaus anders. „Nicht umsonst kämen die Leute hierher in den Urlaub. Wir dürfen das ganze Jahr hier leben“, sagt sie – und Klaus Schlappner nickt energisch: „Die Kurpalz is fer misch e Wohlfühlregion“, sagt die Trainerlegende von der Bergstraße, die einst den Waldhof Mannheim zu sportlichen Höhenflügen führte. Auch wenn es an Stationen wie etwa in Jena schon mal schwierig wurde mit der Verständigung: Im Ausland funktioniere es nur mit Kurpfälzisch. In jedem Büro, das Schlappner in China bezog, habe stets groß der Schriftzug geprangt: „Uffbasse, do is en Kurpälzer“.

Vorgeschobener Unterkiefer

Der Chef des Kurpfälzischen Museums der Stadt Heidelberg, Frieder Hepp, hält die Form des Unterkiefers beim Homo Heidelbergensis als eminent wichtig für die Entstehung des kurpfälzischen Dialekts. Nur mit einem derart vorgeschobenen Unterkiefer sei der Mensch in der Lage, seine Muttersprache zu artikulieren: „Gefunne“ versucht sich der sonst hochdeutsch sprechende Museumsdirektor durchaus erfolgreich im sprechpraktischen Beispiel. Und er begründet, dass sich die Kurpfälzer schon zu Kurfürst Carl Theodors Zeiten auf internationalem Parkett und mit anderen europäischen Regionen auf Augenhöhe bewegten. Der Kurpfälzer sei ein Original wie etwa der Jäger aus Kurpfalz.

Und dann wird der Verkehr mit seinen Staus doch noch zum Thema. Der Landrat des Rhein-Neckar-Kreises, Stefan Dallinger, mahnt zu mehr Gelassenheit: In Stuttgart und Karlsruhe sei’s noch schlimmer, der Mobilitätspakt der richtige Weg. VRN-Geschäftsführer Volkhard Malik freut sich, dass Nahverkehr die Region zusammenhält und bringt visionär gar Drohnen als Transportmittel der Zukunft ins Spiel. Bis zu acht Personen könne ein solches „Lufttaxi“ transportieren, weiß er von ersten Versuchsreihen. Dass die Kurpfalz auch Zentrum von Wissenschaft und Kultur ist, lässt Dietmar von Hoyningen-Huene ins Schwärmen geraten. Auch dies sei ein Verdienst Carl-Theodors, das bis heute nachwirke, nicht zuletzt etwa durch die Musik der „Mannheimer Schule“.

Köstliche mundartliche Akzente setzt Kabarettist, Musiker und Kurpfälzer Arnim Töpel. Leichtfüßig changiert er zwischen Hochdeutsch und Dialekt, lässt den Navi „nuffzuus“ und „nunnerzuus“ navigieren, wirbt für Mundart in der Schule: Versucherles (Physik), Verzählerles (Geschichte), Singerles (Musik) und Derfmerdes (Ethik). Erkenntnis seines Sprachkurses: Die Steigerung des Wortes Ferz? Ferz mit Krigge. Der Abend lässt deutlich werden: Die Kurpfalz ist mehr als eine geografische Region – sie ist auch und vor allem ein Lebensgefühl.

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