Metropolregion

Justiz

Urteil wegen Vergewaltigung im Miramar: Verteidiger beantragt Revision

Weinheim.Drei Jahre und drei Monate Gefängnis wegen Vergewaltigung und Körperverletzung – so lautete vergangene Woche das Urteil des Landgerichts Mannheim gegen einen Mann, der im Juli eine Frau im FKK-Bereich des Miramar vergewaltigt hatte. Der Verteidiger des 26-Jährigen, Ekkart Hinney, hat nun wie angekündigt Revision beantragt. Das bestätigte die Pressestelle des Landgerichts Mannheim.

Die Verteidigung hat einen Monat Zeit, um die Revision zu begründen. Die Entscheidung liegt dann beim Bundesgerichtshof. Anders als bei einer Berufung, werden bei einer Revision nicht noch einmal die tatsächlichen Umstände des Falles geprüft, sondern lediglich das Urteil der vorherigen Instanz – hier das Landgericht Mannheim – auf Rechtsfehler.

Durch See zum Freizeitbad geschwommen

Der Fall hatte im vergangenen Sommer für große Aufregung in Weinheim gesorgt. Am 17. Juli war der Mannheimer vom städtischen Strandbad aus durch den Waidsee geschwommen, hatte sich so unrechtmäßig Zutritt zum Freizeitbad verschafft, dort eine 49-jährige Frau angesprochen, sie geschlagen, gebissen und vergewaltigt. Das Opfer konnte sich durch einen Vorwand befreien und Hilfe holen. Die Aussagen der Frau und des Angeklagten waren vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt. Auch die Plädoyers fanden auf Anordnung der Kammer hinter verschlossenen Türen statt. Staatsanwalt Michael Hager hatte vier Jahre Haft gefordert. Ein Strafmaß, das der Verteidiger des 25-Jährigen als zu hoch ansah. Obwohl das Gericht deutlich hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft blieb, kündigte Hinney unmittelbar nach dem Urteil bereits die Revision an.

In ihrer Urteilsbegründung schilderte Richterin Krenz, was für den Angeklagten gesprochen habe. „Sie haben ein Teilgeständnis abgelegt. Jedoch keines, das uns die komplette Beweisführung erspart hätte“, so Krenz. Der Angeklagte hatte vor Gericht offenbar behauptet, die Frau habe ihn angesprochen, nicht umgekehrt und sie habe sowohl ihn als auch sich im Intimbereich berührt.

Tat unterschiedlich geschildert

Sein Opfer hingegen hatte die Tat jedoch anders geschildert, sprach von massiver Gewalt und Todesangst, als der Mann sie an den Füßen Richtung Wasser gezogen und sie am Schreien gehindert habe. Sie sei dem Gericht glaubwürdig erschienen und offensichtlich nicht auf Rache aus, betonte Krenz. „Sie hat hier gesagt: ,Das ist noch ein junger Mann, man soll ihm nicht das ganze Leben verbauen‘ – so etwas erleben wir nicht oft.“ Auch das Gutachten der Rechtsmedizin Heidelberg über die Verletzungen der Frau hatte deren Version der Tat gestützt. Eine psychiatrische Erkrankung liegt bei dem 25-Jährigen ebenfalls nicht vor.

Zugunsten des Angeklagten sei jedoch festzuhalten, dass es keine geplante Tat und die Folgen beim Opfer „relativ gering“ seien, wie sich die Richterin ausdrückte. „Sie haben sich außerdem entschuldigt“, sagte Krenz. Weniger positiv: Der 25-Jährige ist bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten. (Von Verena Müller)