Metropolregion

Mordprozess Angeklagter lehnt Gutachter ab

Verteidigung scheitert mit Antrag

Frankenthal/Neuhofen.Im Mordprozess gegen einen 69-Jährigen, der im März seine Ehefrau in Neuhofen mit zwei Kopfschüssen getötet haben soll, hat das Frankenthaler Landgericht einen Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen den psychiatrischen Gutachter Harald Dreßing abgewiesen. Gründe, die eine Ablehnung des Sachverständigen rechtfertigen würden, müssten auch für Dritte einleuchtend sein, sagte der Vorsitzende Richter Alexander Schräder. Dies sei nicht der Fall.

Dreßing war in seinem Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei den Schüssen nicht um eine Affekttat gehandelt habe. Damit stützte er den Vorwurf der Anklage und widersprach der Verteidigung, die von einer affektiven Tat und damit von Totschlag ausgeht.

Laut Verteidigung bestünden „erhebliche Zweifel an der Unparteilichkeit“ Dreßings. Er forsche seit Jahren auf dem Gebiet Stalking und arbeite eng mit Ermittlungsbehörden und Opferverbänden zusammen. In einem Interview habe er härteres Vorgehen gegen Stalker gefordert, da das Verhalten oft zu Tötungsdelikten nach Beziehungen führe. Den vorliegenden Fall habe er versucht, in dieses Schema zu pressen. Daneben habe er der Tat einen Hinrichtungscharakter geben wollen. „Es ist nicht Aufgabe eines Gutachters, sich auf die Seite der Behörden zu schlagen“, sagte Anwältin Katja Kosian. Auch das Gutachten selbst griff die Verteidigung an. Aus diesem Grund entschied die Kammer, Dreßing noch mal für eine Vernehmung zu laden. Am Freitag werden weitere Termine festgelegt. Die Plädoyers wurden vertagt. jei

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