Metropolregion

Sprache Landauer Filmemacher gehen in Pennsylvania auf die Suche nach dem Pfälzisch der Auswanderer, das heute noch lebendig ist

"Vertraut und fremd zugleich"

Landau."Es geht gut voran, und unsere Dreharbeiten entpuppen sich als spannende Reise in die Vergangenheit", schwärmen die beiden Landauer Filmemacher Benjamin Wagener und Christian Schega. Das Team arbeitet derzeit in den USA an der Dokumentation "Hiwwe wie Driwwe", die sich mit dem Thema "Pfälzisch in Amerika" befasst. "Vor 300 Jahren sind viele Menschen aus der Kurpfalz ausgewandert und haben sich in und um Pennsylvania angesiedelt. Ihre Sprache hat sich zwar mit dem Englischen vermischt, sie klingt aber immer noch nach Pfälzisch", erklärt Schega bei einem Telefonat mit dieser Zeitung.

Reise in die Vergangenheit

Hauptdarsteller des 90-Minuten-Streifens sei Douglas Madenford aus Kutztown, das eine Autostunde nordwestlich von Philadelphia liegt. Als Sohn eines Zimmermanns ist er auf einem Bauernhof mit "Pennsylvania Dutch" - so wird das US-Pfälzisch genannt - aufgewachsen. "Aus seiner Sicht erlebt der Zuschauer die Geschichte, die auch auf Madenfords Farm beginnt", lässt sich Wagener ins Script schauen. Dabei begegne man echten Pfälzer Vokabeln wie "Scheier" (Scheune). Aber auch Begriffen, die "vertraut und fremd zugleich" klingen. "Bei Bauerei sind wir nicht gleich auf Bauernhof gekommen. Da fällt uns manchmal das Englische leichter", gibt Schega zu.

So begleitet die Crew den Deutschlehrer, Musiker und YouTuber Madenford bei seiner Spurensuche durch die Heimat: "Wir haben tolle Szenen in einer Metzgerei aufgenommen, deren 90-jährige Inhaberin Saumagen zum Selberfüllen verkauft", verrät Schega. "Doug hat uns auch in die Kita von Shaynah mitgenommen, die schlicht ,Kinner'-Center heißt. Dort haben uns die Kleinen ,Old Mac Donald has a farm' in Pennsylvania Dutch vorgesungen, das war einfach großartig", schildert er seine Eindrücke. Dennoch sei es schwierig, die Auswanderer-Sprache vor dem Aussterben zu bewahren: "Zwar sprechen etwa 400 000 Menschen in den USA diese Urform des Pfälzischen, doch rund 80 Prozent davon gehören den sehr konservativen Old Order Amish oder den Mennoniten an, die zur Fortbewegung immer noch Kutschen benutzen und die meisten modernen Techniken ablehnen", erklärt Wagener. Und die ,normalen Amerikaner', die Pennsylvania-Dutch benutzten - einige 10 000 immerhin - seien wie Metzgerin Verna Dietrich schon recht alt. In der Unistadt Kutztown unterrichtet "Schulmeeschter" Keith Brintzenhoff deshalb regelmäßig eine Klasse in der Sprache seiner Vorfahren und schreibt außerdem zweisprachige Kinderbücher.

"Die Kultur lebt natürlich auf viele Arten weiter, und man stolpert häufig an Orten über Pfälzer Spuren, an denen man gar nicht damit gerechnet hat", sagt Schega. So wisse kaum jemand, dass der seit dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" bekannte Brauch des "Groundhog Day" eigentlich aus der Pfalz stammt: "In der Lichtmesswoche hat daheim ein Dachs den weiteren Verlauf des Winters vorhergesagt. Dass es heute am 2. Februar ein Murmeltier ist, liegt daran, dass es in den USA damals keine Dachse gab und man kurzerhand ein anderes Tier genommen hat", erklären die beiden Filmemacher.

Saumagen längst etabliert

Über Straßenschilder wie "Persching-Weg" (Pfirsich-Weg), "Stee Bruch Weeg" (Steinbruchweg) oder das "Kumm Esse Diner" ("Komm'-essen-Raststätte") stolpere man an vielen Stellen. "Wir sind auch durch ,Manheim' und Heidelberg County gefahren." Neben dem berühmten Pfälzer Saumagen hätten sich außerdem Gerichte wie Kesselfleisch oder der in Fett ausgebackene Spritzkuchen (Funnelcake) etabliert.

Anfang August gehen die Dreharbeiten zu "Hiwwe wie Driwwe" in der Pfalz weiter. "Dann trifft unser Hauptdarsteller den Mundartkünstler Chako Habekost auf dem Hambacher Schloss, spricht mit einem Pfälzer Landwirt über Grumbeeren und darf im Restaurant von Michael Hinz in Bockenheim eines der ältesten überlieferten Saumagenrezepte probieren. So schließt sich für uns der Kreis", betont Schega. Der Film soll dann 2018 in regionalen Kinos auf beiden Seiten des Rheins zu sehen sein.

Zum Thema