Metropolregion

Nahverkehr Weil die Zeit für Fördermittel drängt, realisiert der Rhein-Pfalz-Kreis seine Variante nur bis zur Ludwigshafener Stadtgrenze

Viele Stolpersteine bei der Planung der Pendler-Radrouten

Archivartikel

Rhein-Neckar.Breite Fahrrad-Autobahnen ohne Kreuzungen, und vor allem ohne hohe Bordsteine, Fußgänger oder Ampeln, dafür mit Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr. Wenn es nach dem Verband Region Rhein-Neckar (VRRN) geht, sollen in den kommenden Jahren gleich mehrere solcher Radschnellwege in der Metropolregion entstehen. In fünf gleichzeitig laufenden Studien werden derzeit die besten Streckenvarianten gegenübergestellt. Darunter eine 60 Kilometer lange Route von Mannheim/Heidelberg nach Darmstadt und die Variante „Oberrhein“, die Worms mit Wörth verbindet.

Die erste Strecke soll laut VRRN auf etwa 40 Kilometern von Heidelberg über Mannheim und Ludwigshafen ins vorderpfälzische Schifferstadt führen. Das Land Baden-Württemberg betrachtet den Radschnellweg als „Leuchtturmprojekt“ und sagte im Juli 2017 finanzielle und organisatorische Unterstützung zu. Mittlerweile plant und koordiniert das Regierungspräsidium Karlsruhe das Projekt und rechnet Mitte 2022 mit einem Baubeginn.

Bis zu 2000 Fahrten täglich

Auf der rheinland-pfälzischen Seite genießen die Velobahnen nicht denselben Status, doch auch hier wird die Machbarkeit solcher Pendlerrouten überprüft. Eine Studie von 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen Schifferstadt und Ludwigshafen ein Radverkehrspotenzial von etwa 1500 bis 2000 Fahrten pro Tag existiert. Die möglichen Baukosten für einen Schnellweg liegen zwischen 3,4 und 7,4 Millionen Euro. Mainz will die Umsetzung der Radrouten mit zehn Prozent über dem üblichen Förderansatz der Kommunen unterstützen. Verkehrsminister Volker Wissing packte nun noch einmal zehn Prozent oben drauf, so dass das Land bei manchen Projekten bis zu 90 Prozent finanziert. Allerdings nur bis zum 31. Dezember 2021.

Weil die Zeit drängt, hat der Ausschuss für Verkehr, Planung und Bau des Rhein-Pfalz-Kreises – zu dem Schifferstadt und Limburgerhof gehören – nun beschlossen, die Planung und Koordination der Strecke von Schifferstadt bis an die Stadtgrenze von Ludwigshafen zu übernehmen. In der Chemiestadt besteht nach Aussage von Landrat Clemens Körner „noch großer Klärungsbedarf“. Doch da derzeit Machbarkeitsstudien für die Strecke Schifferstadt – Wörth sowie Neustadt – Landau laufen, könnte sich die 20 000-Einwohner-Stadt Schifferstadt zum „Rad-Knotenpunkt“ für die Vorder- und Südpfalz entwickeln. „Deshalb wollen wir nicht warten, bis Ludwigshafen seine Probleme gelöst hat, die hinter Mundenheim beginnen“, sagt Körner und hat den Ausschuss hinter sich.

„Anders als im Kreis orientiert sich die Radtrasse nicht an der Bahnstrecke, sondern ist viel komplexer“, berichtet eine Sprecherin der Stadt Ludwigshafen auf Anfrage. So müsse zwischen Mundenheim und der Konrad-Adenauer-Brücke die Bahnlinie überquert werden. Man habe bereits Varianten diskutiert, wolle aber die Ortsbeiräte einbinden, das bedürfe einer „angemessenen Zeit“.

Ob die Stadt einen Pendlerradweg oder einen Schnellweg realisieren will, steht noch nicht fest. Der Unterschied ist indes immens: Auf einem „Pendlerradweg“ ist zwar kein landwirtschaftlicher Verkehr zugelassen, Fußgänger dürfen den 3,50 Meter breiten Weg aber benutzen. Die vier Meter breite Radautobahn auf der anderen Rheinseite ist nur für Radler vorgesehen, die recht schnell unterwegs sein dürfen.

Keine Stopps an Ampeln

Der Rhein-Pfalz-Kreis hat sich bereits auf die kleine Variante des Pendlerradwegs festgelegt, die größtenteils auf vorhandenen Rad-, Geh- Wirtschafts- und Bahnwegen sowie öffentlichen Straßen verlaufen soll. Allerdings ohne Stopps an Ampeln und möglichst ohne gefährliche Unter- oder Überführungen.

Momentan bewege sich die Planung noch in einem Korridor, Detailstrecken müssten erst festgelegt werden. Zu Beispiel soll die Veloroute in Schifferstadt durch ein Wohngebiet geführt werden und eine vielbefahrene Straße kreuzen. „Da laufen derzeit Gespräche, welche Alternativen es dazu gibt, die trotzdem am Bahnhof rauskommen“, berichtet der Landrat. Die Route aus der Vorderpfalz soll laut Beschluss an der Gemarkungsgrenze zwischen Limburgerhof und Ludwigshafen auf einen bestehenden Rad- und Gehweg auf städtischer Seite einmünden. Wie die Radler dann weiterkommen, müssten die Gremien in Ludwigshafen entscheiden.

Was den Anschluss an die Strecke Mannheim – Heidelberg betrifft, hat Clemens Körner einen Wunsch: „Ich habe dem Stuttgarter Verkehrsminister Winfried Hermann gesagt, dass die baden-württembergische Planung nicht an der Stadtgrenze von Mannheim enden sollte, sondern erst an der Rheinbrücke, damit die Leute auch in die Pfalz kommen.

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