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Fernsehen Die aus Speyer stammende Schauspielerin Sandra Steinbach steht für die ARD-Produktion „Weingut Wader“ vor der Kamera

Vom „Tatort“ zur Familiensaga

Archivartikel

Speyer/Berlin.„Mein Vater hat mir Fotos von den Dreharbeiten zu Weingut Wader in Deidesheim geschickt und gesagt: ,Mach’ doch da mal mit’“, erzählt Sandra Steinbach gut gelaunt. Umso mehr freut sich die Schauspielerin aus Speyer, dass sie beim dritten Teil der turbulenten Familiensaga aus der Pfalz tatsächlich dabei ist. „Es ist witzig, dass ich wieder eine Staatsanwältin spiele“, sagt die 43-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Als Anklagevertreterin Nicole Dubois stand sie an der Seite von Devid Striesow und Elisabeth Brück beim Tatort des Saarländischen Rundfunks von 2013 bis 2019 vor der Kamera. „Ich war schon für die ersten beiden Weingut-Wader-Filme vorgeschlagen, und weil ich unbedingt an dem Projekt mitarbeiten wollte, habe ich den Regisseur Tomy Wigand einfach angeschrieben“, verrät die energiegeladene Schauspielerin.

Wie man eine Rolle „abschüttelt“

Über die Zusage freut sich Steinbach, die in Berlin lebt, wahnsinnig: „Es ist schön, mal wieder in der Heimat zu arbeiten, ich bin sehr gerne in der Pfalz und Deidesheim ist eine fabelhafte Kulisse.“ Auf den Drehtag Ende Juni bereitet sie sich schon jetzt intensiv vor. „Ich bin sehr präzise und pingelig, weil ich bei den Dreharbeiten eine perfekte Leistung abliefern möchte. Jede Sekunde am Set kostet Geld, wenn man da die Nerven verliert und seinen Text vergisst, ist das sehr unangenehm“, erzählt sie vom Druck, der auf den Schauspielern liegt. „Da muss alles auf den Punkt funktionieren.“

Um herauszufinden, was für ihre Figur wichtig ist, hat Steinbach das Buch mehrmals gelesen. „Jetzt bin ich gerade dabei, meiner Staatsanwältin ein Leben zu geben: Was ist das für eine Frau? Was ist ihr wichtig, wo kommt sie her und was will sie? Diesen Hintergrund sieht man im Film zwar nicht, aber er ist wichtig, wenn man eine Figur authentisch darstellen möchte.“

Steinbach setzt sich mit jeder Rolle intensiv auseinander. Manchmal gehe das an die Substanz. „Ich habe in Rosenheim Cops eine Mörderin gespielt, da muss man herausarbeiten, warum ein Mensch so etwas tut. Dabei kommt man bisweilen an seine Vorstellungsgrenzen“, berichtet sie. „Ich entwickle für jede Figur einen ausführlichen Fahrplan, egal ob ich für eine Vorabendserie im Fernsehen vor der Kamera stehe oder für einen Spielfilm.“

Und wie wird man eine solche Rolle wieder los? „Ich schüttle sie mit energetischen Übungen ab, in dem ich Arme, Beine und den ganzen Körper schlenkere“, verrät sie einen Trick, den Schauspieler benutzen, um nach den Dreharbeiten aus einer Rolle auszusteigen. „Nach meinem Part als Mörderin habe ich Zuschriften von Bekannten bekommen, wie ich nur so etwas tun konnte und wann man mit mir wieder einen Kaffee trinken gehen kann, weil ich ja im Gefängnis sitze“, erzählt sie schmunzelnd, dass ihr Umfeld mit dem Abschütteln bisweilen mehr Probleme hat.

Abschied vom Theater

Auf Weingut Wader freut sich Sandra Steinbach auch deshalb, weil es für sie das erste Projekt nach einer Schauspielpause ist. „Anfang des Jahres habe ich mich von einigen Dingen wie dem Tatort oder meinem Engagement am Berliner Kriminal Theater verabschiedet, deshalb schaue ich jetzt nach vorne.“

Für die Zukunft wünscht sich die Wahl-Berlinerin eine Rolle in einer „richtig schönen Serie“ wie der Schwarzwaldklinik in den 80er Jahren. „Ich bin von meinem Wesen her ein Mensch, der für Freude und positives Erleben steht, das möchte ich gerne mal in einer Rolle verkörpern. Deshalb wäre es schön, richtig gute Fernsehunterhaltung zu machen, die den Zuschauern Auftrieb gibt, ihnen hilft, den Kopf frei zu kriegen und eine Weile aus ihrem Alltag auszusteigen. Es muss ja nicht immer Mord sein“, plädiert Steinbach für positive TV-Inhalte. „Die Nachrichten aus aller Welt sind erfüllt von Grausamkeit, Elend und Schmerz, da sollte sich wenigstens die Unterhaltung abheben“, findet sie.

Und während sie im fernen Berlin die Rolle der Pfälzer Staatsanwältin studiert, sind Familie und Freunde schon voller Vorfreude: „Mein Vater und meine Mutter wollen auf jeden Fall bei den Dreharbeiten in Deidesheim zuschauen.“